Video scharf kritisiert: Lambrecht spricht inmitten von Böllern vom Krieg

Die Verteidigungsministerin postet ein Video mit einer Neujahrsbotschaft. Darin spricht sie vom Krieg und von „vielen tollen Menschen“ – umgeben von Silvesterfeuerwerk. Es hagelt Kritik.

Christine Lambrecht bei ihrer Neujahrsansprache
Christine Lambrecht bei ihrer NeujahrsanspracheScreenshot Instagram christine.lambrecht

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht muss für einen Post mit einer Neujahrsansprache massive Kritik einstecken. Im einsetzenden Silvesterfeuerwerk in Berlin bilanzierte die SPD-Politikerin in einem am Sonntag über ihren privaten Instagram-Account geteilten Video das Jahr 2022. „Mitten in Europa tobt ein Krieg“, sagt Lambrecht darin. Wegen des Pfeifens von Raketen und explodierender Böller sind ihre Sätze zum Teil nur schwer zu verstehen. 

Sie fährt fort: „Damit verbunden waren für mich ganz viele besondere Eindrücke, die ich gewinnen konnte. Viele, viele Begegnungen mit interessanten, tollen Menschen. Dafür sage ich ein herzliches Dankeschön.“

Sie selbst begehe den Jahreswechsel mit Familie und Freunden, sagt Lambrecht. „All denjenigen, die das nicht können, weil sie für uns im Dienst sind, als Soldat oder als Polizistin, im Krankenhaus oder in anderen Bereichen, sage ich ein herzliches Dankeschön.“

Für den Post hagelte es sofort Kritik. „Das ist so unerträglich unsensibel“, twitterte die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke von der Berliner Denkfabrik European Council on Foreign Relations. Es gebe Krieg in Europa und Lambrecht spreche davon, dass sie tolle Menschen getroffen habe. „Haben die in Berlin ihren Verstand verloren?“

Vor allem die CDU nahm das Video zum Anlass, um gegen die SPD-Verteidigungsministerin auszuteilen. CDU-Politiker Armin Laschet schloss sich Frankes Meinung an: „Ist dem Bundeskanzler eigentlich die Wirkung Deutschlands in Europa und der Welt völlig egal?“, schrieb er auf Twitter.

CDU-Verteidigungspolitikerin Serap Güler forderte sogar den Rauswurf Lambrechts: „Die Rede über den Krieg mit Silvesterböllern im Hintergrund setzt ihrer Serie von Peinlichkeiten nur noch die Krone auf. Deshalb: Jede weitere Minute, in der der Bundeskanzler an dieser Ministerin noch festhält und damit das Ansehen unseres Landes weiter beschädigt, geht auf sein Konto.“

Ex-CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz schrieb auf Twitter, das „Plantschen von Scharping mit Gräfin Pilati ist nichts dagegen“. 

Die Union kritisiert Lambrecht derzeit vor allem wegen der aus ihrer Sicht schleppenden Aufklärung der jüngsten Ausfälle der Puma-Panzer. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits im April die Entlassung Lambrechts gefordert. Im Dezember forderte er sie zum Rücktritt auf: „Bei Frau Lambrecht wäre es einfach besser, wenn sie freiwillig aufhören würde. Wer es nicht einmal schafft, Munition zu bestellen, und sich schwertut, einige amerikanische Kampfflieger zu kaufen, ist dem Amt einfach nicht gewachsen.“