Video zur Berliner Silvesternacht entpuppt sich als Fake

Wütende Menschen werfen Steine durch die offene Tür eines Rettungswagens: Diese Bilder sollen angeblich an Silvester in Neukölln entstanden sein. Doch sie stammen nicht aus Berlin.

Polizeibeamte beim Einsatz an Silvester in Berlin. Dieses Bild ist echt. Videoaufnahmen, die derzeit auf Twitter kursieren und angeblich aus Neukölln stammen, sind es in einem Fall jedoch nicht.
Polizeibeamte beim Einsatz an Silvester in Berlin. Dieses Bild ist echt. Videoaufnahmen, die derzeit auf Twitter kursieren und angeblich aus Neukölln stammen, sind es in einem Fall jedoch nicht.dpa/TNN/Julius-Christian Schreiner

Polizei und Feuerwehr in Berlin berichten von Angriffen auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht, zum Beispiel mit Feuerwerkskörpern. Im Netz kursieren Videos von solchen Ausschreitungen. Doch darunter werden auch Aufnahmen gemischt, die mit Berlin und dem Jahreswechsel gar nichts zu tun haben.

Die Behauptung ist folgende: Ein Video, auf dem mehrere Personen einen Rettungswagen mit Wurfgeschossen angreifen, sei in der Silvesternacht in Berlin-Neukölln aufgenommen worden. Doch eine Bewertung des Materials ergibt ein ganz anderes Bild: Die Angriffe fanden demnach nicht in Berlin statt, denn das Video ist 2019 in Hongkong entstanden – mehr als 8700 Kilometer von der deutschen Hauptstadt entfernt.

Das sind die Fakten: Ein unscharfes Video zeigt mehrere dunkel gekleidete Personen, die unter lauten Rufen Gegenstände in einen offenen Rettungswagen schleudern. Nutzer in den sozialen Netzwerken behaupten, es sei im Berliner Bezirk Neukölln in der Silvesternacht entstanden. Ein Politiker der rechtsextremen NPD rückte das Video in einen Zusammenhang mit Gewalttaten von Migranten.

Die Aufnahme ist allerdings in einem ganz anderen Kontext entstanden und hat mit den Ausschreitungen in Berlin nichts zu tun. Sie stammt aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Eine höher aufgelöste Version wurde am 18. November 2019 auf einem Twitter-Account des staatlichen chinesischen Fernsehsenders CCTV veröffentlicht. Das Staatsmedium schrieb dazu, ein Mob habe an diesem Tag in Hongkong Polizisten angegriffen.

Hongkong erlebte heftige Proteste gegen Annäherung an China

In Hongkong gab es 2019 und 2020 Proteste gegen eine weitere politische Annäherung der ehemaligen britischen Kolonie an das autoritär regierte China. Anhänger der Demokratiebewegung lieferten sich immer wieder Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Die Sicherheitsgesetze, gegen die sich die Proteste richteten, wurden später dennoch eingeführt.

Mitte November 2019 kam es zu Protesten an der Polytechnischen Universität von Hongkong. An einer Straßenkreuzung in der Nähe entstand das Video mit dem Rettungswagen. Der Zeitung Straits Times aus Singapur zufolge soll zuvor eine Demonstrantin von der Polizei dorthin gebracht worden sein. Dann attackierte nach Polizeiangaben ein „Mob von Randalierern“ die Sicherheitskräfte und befreite die Frau.

In Berlin kam es in der Nacht des Jahreswechsels 2022/2023 zu Ausschreitungen. Polizei und Feuerwehr berichteten von Angriffen auf Einsatzkräfte. Mindestens 56 von ihnen wurden den Angaben zufolge verletzt. In Neukölln wurde ein fahrender Rettungswagen mit einem Feuerlöscher beworfen. Von dieser Tat auf der Silbersteinstraße existiert tatsächlich ein Video.

Anmerkung der Redaktion: Wir zeigen das Fake-Video nicht, um es nicht weiter zu verbreiten.