Athen - Beim Untergang eines Flüchtlingsbootes in der Ägäis sind vier Kinder ums Leben gekommen. Ein weiterer Mensch werde noch vermisst, erklärte der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi am Dienstag. 22 weitere Insassen wurden demnach gerettet. Mitarachi machte die Türkei für das Unglück mitverantwortlich. Ein Rettungsschiff von Ärzte ohne Grenzen mit 376 Menschen an Bord wartete derweil im Mittelmeer auf die Zuweisung eines Hafens.

„Trotz bester Bemühungen der griechischen Küstenwache ist tragischerweise der Tod von vier Kindern im Alter zwischen drei und 14 Jahren bestätigt worden“, schrieb Mitarachi im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Geretteten seien 14 Männer, sieben Frauen und ein Kind, teilte die Küstenwache mit.

An dem Such- und Rettungseinsatz vor der Insel Chios hatten sich bei rauer See Patrouillenboote der Küstenwache, ein Schiff der Nato, in der Nähe befindliche Schiffe, Fischerboote sowie zwei Hubschrauber beteiligt.

Schwere Anschuldigungen gegen Türkei

Griechenland erhob schwere Anschuldigungen gegen die Türkei. Die Regierung in Ankara müsse Menschenschmuggler daran hindern, Boote von der türkischen Küste loszuschicken und das Leben von Flüchtlingen auf dem Meer aufs Spiel zu setzen.

„Die türkischen Behörden müssen mehr tun, um die Ausbeutung durch kriminelle Banden zu verhindern“, erklärte Mitarachi. „Skrupellose Schmuggler riskieren Leben mit überfüllten, seeuntauglichen Booten vor Chios.“

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR haben in diesem Jahr von der Türkei aus mehr als 2500 Menschen das östliche Mittelmeer überquert. 2020 waren es mehr als 9700 Menschen. Im vergangenen Jahr starben den Angaben zufolge mehr als hundert Menschen beim Untergang von Flüchtlingsbooten im östlichen Mittelmeer.

Ärzte ohne Grenzen meldet Rettung von hunderten Menschen aus Seenot

Unterdessen meldete die NGO Ärzte ohne Grenzen die Rettung von hunderten Menschen aus Seenot. Bei fünf Einsätzen im Mittelmeer binnen zwei Tagen habe das Team des Rettungsschiffs „Geo Barents“ 367 Menschen an Bord genommen, teilte die Hilfsorganisation am Dienstag mit. Unter den Geretteten seien 172 Kinder und Minderjährige.

In einem Fall trieb ein überladenes Holzboot mit 42 Kindern an Bord demnach mehr als neun Stunden im Meer. Die Behörden seien über den Notfall informiert worden, doch keines der Schiffe in der Nähe sei zur Hilfe gekommen.

„Erneut sind wir Zeugen, wie die europäische Abschottungspolitik das Leben von Menschen gefährdet“, sagte Caroline Willemen, Projektleiterin an Bord der „Geo Barents“. „Auf Notrufe wird nicht reagiert und es gibt keinerlei Rettungsaktivitäten.“

Viele der Migranten waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen bereits unterkühlt und dehydriert, als die Retter eintrafen. Die „Geo Barents“ warte nun auf die Zuweisung eines Hafens durch die italienischen Behörden, um die geretteten Menschen schnell an Land zu bringen.