Berlin - Mediziner und die Politik warnen vor einem Kollaps der Gesundheitsversorgung und vollen Intensivstationen wegen der vierten Corona-Welle. Zugleich melden die Krankenhäuser in Deutschland etwa 6300 betreibbare Intensivbetten weniger als noch vor einem Jahr. Das liegt laut einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts auch an zu wenig Personal. 72 Prozent der befragten Krankenhäuser gaben demnach an, bis zu zehn Prozent weniger Intensivkräfte zur Verfügung zu haben als noch Ende 2020, berichtet die Bild. 

Nach Angaben des Intensivmediziner-Verbandes DIVI gibt es offiziell zwar eine Notfallreserve von rund 10.000 Betten. Diese Betten seien theoretisch innerhalb von sieben Tagen einsatzbereit. In der Praxis stimmt das aber laut Bild-Bericht nicht. Demnach teilte DIVI auf Anfrage mit, es handele „sich dabei um Betten, die in den Kliniken vorhanden sind, für die aber aktuell in erster Linie keine Pflegekräfte zur Verfügung stehen“.

Hohe Auslastung der Intensivstationen allein kein Grund zur Angst?

Zu Beginn der Pandemie gab es für jedes neu geschaffene Intensivbett eine Finanzspritze vom Bund in Höhe von 50.000 Euro. Laut Bundesrechnungshof wurden dafür im Zeitraum März bis September 2020 rund 700 Millionen Euro an die Krankenhäuser gezahlt. 

In dem Bericht wird auch der Mediziner Prof. Klaus-Dieter Zastrow zitiert. Er erläutert die wirtschaftliche Komponente. Intensivstationen müssten voll sein, andernfalls seien sie für die jeweilige Klinik unwirtschaftlich. Zastrow sagt laut Bild auch, dass „eine hohe Auslastung allein kein Grund zur Angst“ sei. Etwa die Hälfte der Patienten falle in die Kategorie low care und könne „im Extremfall auf andere Stationen verlegt werden“.