Berlin - Der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr hat sich für Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie ausgesprochen. Da die meisten Infektionen innerhalb von Familien erfolgten, wären tiefergreifende Corona-Maßnahmen dort am ehesten erfolgreich, sagte Stöhr im Podcast von Kölner Stadt-Anzeiger und RND. „Man möchte die heiße Kartoffel nicht anfassen, in die Familien einzugreifen. In Frankreich hat man es gemacht. Wenn man tatsächlich kausal arbeiten würde, müsste man diese unliebsame Ausgangsbeschränkung noch mal erwägen und vielleicht auch besser kommunizieren.“

Der Experte ist aber auch der Ansicht, dass die Politik eine Meldeinzidenz zwischen 100 und 150 akzeptieren müsse. „Es wird immer mehr Fälle geben, wenn man öffnet, solange der Frühling noch nicht da ist.“

Stöhr: „Killer-Virus“-Debatte um B.1.1.7 ist völlig inakzeptabel

Die Debatte um die britische Corona-Mutation verfolgt der ehemalige Leiter des Globalen Influenza-Programms und SARS-Forschungskoordinator der WHO mit Kopfschütteln. „Ich halte die Diskussion gegenwärtig, dass man von der B.1.1.7-Variante von einem ‚Killer-Virus‘ spricht, für völlig inakzeptabel.“ Die Werte aus England lägen vor und die Daten seien unstrittig. 

„Allerdings wird in Deutschland und auch in anderen Ländern das gebetsmühlenartig wiederholt, ohne eigene Daten vorlegen zu können und ohne gut unterscheiden zu können, ob die Zunahme der Fälle auf die Variante zurückzuführen ist, Pandemiemüdigkeit, die Änderung der Teststrategie oder auf die höhere Mobilität. Solange man das nicht kausal hinterlegen kann, bleibt alles spekulativ.“

Angesichts der mangelnden Teststrategie in Schulen und Kitas sagt er: „Es wird so sein, dass sich alle Kinder unter 12 Jahren höchstwahrscheinlich natürlich infizieren werden. Wir wissen, dass die Konsequenzen sehr gering sind, aber die gibt es.“