Mainz - Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer warnt vor Lockerungen für Geboosterte. Selbst wenn es unmittelbar nach der Auffrischungsimpfung einen guten Schutz gegen die Virus-Weitergabe auch bei der neuen Corona-Variante Omikron gebe, sei die Datenlage noch zu unsicher, sagte Stürmer am Montag dem Nachrichtenportal ZDFheute.de. „Deswegen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt dafür plädieren, eher präventiv zu argumentieren - entsprechend die Kontakte zu reduzieren, keine Lockerungen für Geboosterte durchführen und die Testkapazitäten ausnutzen, um möglichst viel zu erfahren.“

Auch in Deutschland sei davon auszugehen, dass die Omikron-Variante bald spürbar zunehme, sagte Stürmer. „Wir sehen, dass es sich in Südafrika sehr stark verbreitet hat und sich in England stark ausbreitet. Da stellt sich die Frage, warum man nicht annehmen sollte, dass das auch so ähnlich in Deutschland passiert und einfach Vorkehrungen trifft, um das Ganze deutlich zu verzögern.“ Er wünschte sich in dem Zusammenhang „aus der Politik manchmal mehr Gehör für die Wissenschaft und entsprechend mehr Unterstützung.“

Stürmer: Rückkehr zur Normalität an funktionierendes Impfschema geknüpft

Eine Rückkehr zur Normalität ist für Stürmer an ein funktionierendes Impfschema geknüpft - also die Erkenntnis, wann und wie oft die Menschen gegen Corona geimpft werden müssen, um geschützt zu sein. „Wenn wir ein akzeptables Impfschema gefunden haben, das zum einen für die Bevölkerung praktikabel und umsetzbar ist und zum anderen auch dafür geeignet ist, das Infektionsgeschehen deutlich einzudämmen, dann können wir auch die Maßnahmen zurückfahren“, sagte Stürmer.

Die Gesundheitsministerkonferenz berät am Dienstag unter anderem über die Aufhebung der Testpflicht für Geboosterte. In der Videoschalte soll eine flächendeckende Aufhebung der Testpflicht eines der Themen sein.

In einigen Bundesländern gibt es bereits keine Testpflicht mehr für Menschen, die schon ihre dritte Impfung erhalten haben. Sowohl Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als auch der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), sehen in einem Ende der Testpflicht auch einen Impfanreiz.