Berlin - Der deutsche Flugtaxi-Hersteller Volocopter hebt ab. In Singapur sollen die fliegenden Taxen ab 2024 den Betrieb aufnehmen. Dass es sich dabei, ähnlich wie beim Weltraumtourismus, lediglich um ein Privileg der Reichen handle, dementiert Investor Stefan Klocke: In zehn Jahren sollen sich auch die Menschen Flugtaxi-Fahrten leisten können, die bisher herkömmliche Taxen nutzen, so seine Prognose. Auch Paris plane pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2024 den Einstieg in das Flugtaxi-Geschäft. Zuerst berichtete die NZZ.

Volocopter, ein badisches Startup mit Sitz in Bruchsal, hat sich auf die Entwicklung von Luftfahrzeugen und Drohnen spezialisiert. Klocke war einer der ersten Investoren des 2011 gegründeten Unternehmens. Ihren Senkrechtstarter hat Volocopter vor mehr als einem Jahr zum ersten Mal präsentiert: Im Oktober 2019 hob das erste Taxi zum Jungfernflug ab. Die Strecke führte durch den Singapurer Stadtteil Marina Bay, entlang des ikonischen Marina Bay Sands Hotels – und nach gut zwei Minuten landete „Volocopter 2X“ wieder sanft auf dem Rasen.

Dass ausgerechnet Singapur der weltweit erste Staat ist, der Flugtaxis zum festen Bestandteil seiner Verkehrsinfrastruktur macht, ist so naheliegend wie überraschend. Naheliegend deshalb, weil der Stadtstaat bekannt ist für seine Technik-Affinität: Beim  autonomen Fahren, bei Elektro- und Luftmobilität sei es Vorreiter für den gesamten asiatischen Raum. Deshalb gebe es keinen besseren Ort als Singapur, um die Flugtaxidienste in Asien erstmals anzubieten, erklärte Florian Reuter, Vorstandvorsitzender bei Volocopter, gegenüber der FAZ.

Stefan Klocke: „Wir Deutsche stehen uns selbst im Weg“

Überraschen mag Singapur als erster Flugtaxi-Standort deshalb, weil der Stadtstaat über eines der besten Verkehrssysteme der Welt verfügt. Wegen der hohen Steuern gibt es wenig Autos, nur selten stauen sich die Straßen. Auch der Nahverkehr ist gut ausgebaut. Zentraler Gedanke dahinter ist die Vorbildfunktion: Von Singapur aus könnten Flugtaxen die Lüfte von weiteren südostasiatischen Städten erobern, darunter Metropolen wie Kuala Lumpur und Jakarta, so die Hoffnung von Investor Klocke.

Anders sieht die Verkehrssituation in Paris aus. In der französischen Hauptstadt könnte eine Erweiterung des Nahverkehrs um Flugtaxen die massiven Staus regulieren. Dass die Volocopter-Taxen bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris den Betrieb aufnehmen, ist offenbar beschlossene Sache. Im Juni 2021 hat es den ersten dreiminütigen Testflug gegeben: 500 Meter weit soll das schwebende Taxi bei 30 km/h geflogen sein, schreibt das Unternehmen auf seiner Website

Warum es in Deutschland noch keine Flugtaxen gebe, erklärt Klocke mit einer grundsätzlichen Skepsis: Viele Deutsche glaubten bereits im Vorfeld zu wissen, warum zukunftsweisende Projekte wie fliegende Taxis nicht funktionieren würden. Auch hätten die einen Angst, dass jemand ins Fenster rein schaue, die anderen fürchten Lärm oder Unfälle. „Wir Deutsche stehen uns selbst im Weg. Es wird immer schwieriger“, so Klocke. Der Unternehmer warnt: Diese ablehnende Haltung könne dafür sorgen, dass hierzulande entwickelte Technologie verloren gehe.