Berlin - Seit mehr als 30 Jahren versuchen deutsche Behörden einen der mächtigsten Clanchefs in Deutschland abzuschieben. Am Freitag, gegen 14.25 Uhr, flog „der Pate von Berlin“, wie sich Mahmoud A.-Z. selbst nannte, mit einigen Familienangehörigen von Berlin nach Istanbul. Die Berliner Senatsinnenverwaltung bestätigte kurz darauf  die Ausreise in Türkei. Damit soll er einer drohenden Abschiebung aus Deutschland zuvorgekommen sein. 

Mahmoud A.-Z. ist den Ermittlungsbehörden seit Jahrzehnten bekannt. 1983 soll er nach Deutschland eingereist sein. „Nach Ablehnung seines Asylantrags musste er seit 1984 wegen Passlosigkeit geduldet werden. Seit über 30 Jahren wirkte der Mann nicht an der Passbeschaffung mit. Es bestand Unklarheit über seine Nationalität“, teilte die Senatsinnenverwaltung mit.

Erst vor wenigen Jahren konnte nach intensiven Ermittlungen geklärt werden, dass der 55-Jährige tatsächlich türkischer Abstammung ist, hieß es. In der Folge soll er zur Wiedereinbürgerung aufgefordert worden sein. Er habe sich zuvor immer unter anderem Namen als Staatenloser aus dem Libanon ausgegeben.

Clanboss darf nie wieder nach Deutschland einreisen 

Als er den Druck der Behörden mehr und mehr zu spüren bekam, soll er sich im vergangenen Jahr um einen türkischen Pass bemüht haben. Er habe daraufhin versucht, eine Bleibeperspektive aus familiären und gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Es folgte ein langer Rechtsstreit. „Alle Gerichte haben zugunsten des Landesamtes für Einwanderung entschieden, sodass der Druck einer bevorstehenden Abschiebung zuletzt deutlich erhöht werden konnte“, erklärte ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung. Mit der Ausreise, die mit einer Wiedereinreisesperre verbunden ist, wollte A.-Z. laut Innenverwaltung der drohenden Abschiebung zuvorkommen.

„Es lohnt sich, den Druck aufrechtzuerhalten und hartnäckig dranzubleiben“, sagte Innensenator Andreas Geisel. „Wir bekämpfen Clankriminalität auf allen Ebenen, auch über das Aufenthaltsrecht. Der heutige Tag ist ein großer Erfolg für die Kolleginnen und Kollegen, die jahrelang daran gearbeitet haben.“

Im Wesentlichen fiel der Mann zwischen den Jahren 2005 und 2011 durch die wiederholte Begehung von Straftaten auf. Er wurde seit dem Jahr 2005 fast 70-mal als Tatverdächtiger erfasst. Es kam zu elf Verurteilungen, unter anderem wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln. Zuletzt wurde der Mann im Jahr 2017 unter anderem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt.