Köln/Berlin - Ein Hollywood-Klassiker ganz anders erzählt: Der WDR hat das Südstaaten-Epos „Gone with the Wind“ völlig neu künstlerisch verarbeiten lassen. Das Hörspiel „Vom Wind verweht“ hat nicht nur einen moderneren Titel, auch der Umgang mit Rassismus wurde entrümpelt. Der Stoff von US-Schriftstellerin Margaret Mitchell wird dieses Mal aus der Perspektive einer Sklavin aufgerollt. Den ersten von 16 Teilen senden am Montag gleich mehrere WDR-Wellen.

„Vom Wind verweht – Die Prissy Edition“ ist auf WDR3, WDR4 sowie über den virtuellen WDR-Hörspiel-Speicher zu hören, wie der Sender mitteilte. In der Reihe erzählt Autorin Amina Eisner den Klassiker aus Sicht des versklavten Kindermädchens Prissy, das im Originalroman von Mitchell aus dem Jahr 1936 nur eine Nebenrolle einnimmt.

Originalgeschichte geriet wegen Rassismus in die Kritik

Die Originalgeschichte sei prägend für das Bild vieler Menschen von den Südstaaten und dem amerikanischen Bürgerkrieg, hieß es. Gleichzeitig geriet der Film von 1939 wegen rassistischer Vorurteile und der problematischen Darstellung von Sklaverei mit den Jahrzehnten zunehmend massiv in die Kritik. Das Hörbuch soll nun an dieser Stelle ansetzen: Die Versklavten kommentieren das Geschehen und den Rassismus und legen die Statistenrolle ab.

Der WDR geriet zuletzt ebenfalls in die Kritik. In einer Folge der Talksendung „Die letzte Instanz“ wurden gesellschaftliche Themen diskutiert, darunter auch die Frage: „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ Einer der Kritikpunkte danach war, dass die Diskussion ausschließlich von weißen Gästen geführt wurde.

Bei WDR3 laufen die je dreißigminütigen Folgen ab Montag bis zum 1. April immer von montags bis donnerstags am Abend. Anlässlich des Themenschwerpunkts Rassismus soll die Ausstrahlung des Hörspiels durch verschiedene Gespräche und Features zum Thema ergänzt werden, so der Sender.