Bei einem Besuch im ukrainischen Butscha hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die russische Armee für die Kriegsgräuel in dem Kiewer Vorort verantwortlich gemacht. „Wir haben das grausame Gesicht von Putins Armee gesehen, wir haben die Rücksichtslosigkeit und die Kaltherzigkeit gesehen, mit der sie die Stadt besetzt hat“, sagte die deutsche Politikerin am Freitag in Butscha. „Hier in Butscha haben wir gesehen, wie unsere Menschlichkeit zertrümmert wurde, und die ganze Welt trauert mit den Menschen in Butscha.“

Gemeinsam mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal, dem EU-Außenbeauftragen Josep Borrell und dem slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger stellte von der Leyen Kerzen für die Opfer auf.

Von der Leyen hatte sich am Freitag als erste westliche Spitzenpolitikerin nach dem Bekanntwerden von Kriegsverbrechen in Butscha ein Bild von der Lage gemacht. Zuvor hatte die ehemalige Bundesverteidigungsministerin am Freitagmittag nach langer Zugfahrt mit ihrer Delegation die ukrainische Hauptstadt Kiew erreicht.

dpa/Michael Fischer
Kirche neben einem Massengrab in Butscha: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell (2.v.r) entzünden Kerzen für die Todesopfer.

Am Wochenende hatten Bilder von teils gefesselten Leichen auf den Straßen des Kiewer Vororts Butscha Entsetzen ausgelöst. Die Ukraine macht russische Truppen für die Gräueltaten an Hunderten Bewohnern verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von einer „Inszenierung“ und „Provokation“, ohne dafür Beweise vorzulegen.

Der Besuch in Butscha solle ein „deutliches Zeichen“ an das tapfere ukrainische Volk sein, dass man an seiner Seite stehe und sie, wo immer möglich, unterstütze, sagte von der Leyen. Die Ukrainer kämpften für die gemeinsamen Werte und dafür, dass die Demokratie über die Autokratie siegen werde. Sie machte der Ukraine zudem Mut auf dem Weg in die Europäische Union. „Wir stehen an eurer Seite, wenn ihr von Europa träumt“, sagte sie später am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

AP/Efrem Lukatsky
Stilles Gedenken: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen macht sich vor Ort ein Bild von den Kriegsgräueln im Kiewer Vorort Butscha.

„Meine heutige Botschaft lautet, dass die Ukraine zur europäischen Familie gehört“, sagte von der Leyen. Man habe die ukrainische Anfrage auf EU-Mitgliedschaft laut und deutlich gehört. Zugleich sprach von der Leyen von einer „ersten positiven Antwort“, als sie Selenskyj einen Fragebogen überreichte, der die Grundlage für die Gespräche über den Beitritt sein soll.