Washington - Joe Biden ist US-Präsident. Was er macht, wird in der internationalen Politik aufmerksam verfolgt. Von Russland bis Großbritannien, von Palästina bis in den Vatikan - das sind die ersten Reaktionen:

Russland

  • Russland hat Biden eine Verlängerung des letzten großen Abkommens über die atomare Abrüstung beider Länder angeboten. Moskau sei dazu auf Grundlage des „Prinzips der Gleichberechtigung und der Berücksichtigung beiderseitiger Interessen“ bereit, teilte das Außenministerium mit. „Wir vertrauen darauf, dass die neue US-Regierung im Dialog mit uns eine konstruktivere Haltung einnehmen wird“, teilte das Außenministerium mit Hinblick auf Ex-Präsident Donald Trump mit.
  • Aus russischer Sicht sollte der Start-Vertrag um fünf Jahre ohne Vorbedingungen verlängert werden: „Das würde es Russland und den Vereinigten Staaten ermöglichen, ernsthaft gemeinsam nach Antworten auf die Fragen zu suchen, die sich jetzt im Bereich der internationalen Sicherheit und der strategischen Stabilität stellen.“
  • Das Abkommen läuft in gut zwei Wochen aus. Es begrenzt die Nukleararsenale beider Länder auf je 800 Trägersysteme und je 1550 einsatzbereite Atomsprengköpfe.

Die Bundesregierung

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Vereidigung als „Feier der amerikanischen Demokratie“. Sie freue sich „auf ein neues Kapitel deutsch-amerikanischer Freundschaft und Zusammenarbeit“, sagte Merkel, wie ihr Sprecher Steffen Seibert auf Twitter mitteilte. 
  • Zuvor hatten sich bereits unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) geäußert.

Europäische Union

  • Der Präsident des Europaparlaments David Sassoli sieht in der Amtseinführung den Beginn einer neuen Ära für die transatlantischen Beziehungen. „Die Welt braucht ein starkes Band zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“, hieß es in einer Erklärung. Gemeinsam könne man Herausforderungen besser bewältigen – etwa den Klimawandel, die digitale Transformation und zunehmende Ungleichheiten.
  • Man befinde sich durch die Corona-Pandemie noch immer in einer Krise, die nur gemeinsam bewältigt werden könne, sagte Sassoli: „Daher begrüße ich die Zusage der Vereinigten Staaten, in die Weltgesundheitsorganisation zurückzukehren, und gratuliere Ihnen zu Ihrem Bekenntnis, dem Pariser Abkommen wieder beizutreten.“ Er lud Biden ein, in das Europaparlament zu kommen und in einer Plenarsitzung zu sprechen.

Großbritannien

  • Der britische Premierminister Boris Johnson gratulierte Biden und Harris auf Twitter zur Amtseinführung. „Amerikas Führung ist elementar in Fragen, die uns alle betreffen, vom Klimawandel bis Covid, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Präsident Biden“, so Johnson.
  • Johnson hatte im Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum 2016 Ex-Präsident Barack Obama in einem Zeitungsartikel unterstellt, wegen seiner kenianischen Wurzeln einen Groll gegen die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien zu hegen. Biden bezeichnete Johnson später als „physischen und emotionalen Klon“ seines Amtsvorgängers Donald Trump.
  • Die Queen schickte Biden bereits vor der Amtseinführung eine private Botschaft, wie es aus ihrem Palast hieß. Über deren Inhalt war zunächst nichts bekannt. Biden ist der 13. US-Präsident seit der Thronbesteigung der Queen im Jahr 1952.

Palästina

  • Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa: „Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit im Bemühen um Frieden und Stabilität in der Region und auf der ganzen Welt.“ Er äußerte zudem Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme des Nahost-Friedensprozesses mit dem Ziel eines unabhängigen Palästinenserstaates. Die Friedensgespräche mit Israel liegen seit 2014 brach.
  • Die im Gazastreifen herrschende Hamas forderte von Biden eine Kurskorrektur in den Beziehungen der USA zu den Palästinensern. Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte, die Regierung müsse für Sicherheit und Stabilität in der Nahost-Region sorgen. Man bedaure das Amtsende von Donald Trump nicht, weil dieser Israels Partner „bei der Unterdrückung des palästinensischen Volkes“ gewesen sei.
  • Barhum forderte eine Aufhebung aller Entscheidungen Trumps, darunter die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels und die Streichung der US-Hilfsgelder für das UN-Palästinenserhilfswerk(UNRWA).

Papst

  • Papst Franziskus wünschte Biden Kraft und Weisheit für das Amt. „Mögen die Amerikaner unter Ihrer Führung weiter Kraft aus den hohen politischen, ethischen und religiösen Werten schöpfen, die die Nation seit ihrer Gründung inspiriert haben“, schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Nachricht an das Weiße Haus.
  • Franziskus wolle dafür beten, dass Biden für eine Gesellschaft mit „echter Gerechtigkeit und Freiheit“ sorge und vor allem an die Rechte und Würde der Armen, Verwundbaren und derjenigen denke, die keine Stimme hätten. Er bitte Gott, seine Bemühungen zu leiten, das Verständnis, die Versöhnung und den Frieden in den USA und unter den Ländern der Welt weiter voranzutreiben. Biden ist bekennender Katholik.