Berlin - Kurz vor der angekündigten Räumung des linksalternativen Bauwagencamps „Köpi-Platz“ in Berlin-Mitte rüsten sich die Bewohner gegen einen möglichen Polizeieinsatz am 15. Oktober. Der Zaun um das Grundstück mit den Bauwagen wurde auf mehr als vier Meter erhöht und zum Teil mit Blechen und Platten verstärkt. Mitte der Woche standen Männer mit Akkuschraubern auf Leitern und befestigten weitere Bleche von außen an den Gittern vor dem Grundstück an der Köpenicker Straße, an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg.

Auf dem Gitterzaun vor dem Haus Köpenicker Straße 137, genannt „Köpi“, und dem Bauwagencamp verläuft an einigen Stellen Stacheldraht, daneben Metallverstrebungen zur Befestigung. In großen weißen Buchstaben steht auf der Blechwand: „Köpi-Platz Tag X 15/10“. Die „Köpi“ gilt als eines der letzten verbliebenen Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin. Widerstand gegen die Räumung wurde bereits bei Demonstrationen und im Internet angekündigt. Der Bewohner-Verein will auf einer Pressekonferenz am Freitag seine Position darlegen.

Noch 2021 soll das Areal bebaut werden

Im Juni hatte das Berliner Landgericht die Räumung des Grundstücks mit den bewohnten Bauwagen angeordnet. Geklagt hatte der Grundstückseigentümer. Laut Urteil muss das unbebaute, 2600 Quadratmeter große Grundstück frei gemacht werden. Der Eigentümer hat dort eine Baugenehmigung. Seine Anwälte betonten, noch in diesem Jahr solle mit der Bebauung der Flächen begonnen werden. Nach Angaben des Bewohner-Vereins leben dort etwa 30 Menschen. Das Haus selbst ist von der Räumung nicht betroffen. 

Das Gebäude auf dem Mauerstreifen von Ost-Berlin wurde 1990, im Jahr nach dem Mauerfall, besetzt. Außer Wohnungen in den oberen Stockwerken gibt es im Keller und den unteren Geschossen einen Konzertraum, eine Kletterwand, eine kleine Sporthalle und ein Kino.

Die Bewohner bezeichnen Haus und Bauwagencamp als autonomen Lebensraum. „Køpi & Køpiplatz vereint! Der Kampf um unser Zuhause geht weiter“, schreiben sie auf ihrer Website. Und: „Wir werden nicht einfach alles für irgendwelche Immobilienspekulationen aufgeben. Wir haben uns einen unbewohnbaren Ort genommen und zu einem bunten Lebensraum gemacht. Das wird er bleiben.“

Kaum Gegenwehr bei der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ 

Wie sich die Lage am 15. Oktober entwickeln wird, ist kaum vorherzusagen. So war die Gegenwehr auf der Straße bei der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Friedrichshain im Oktober 2020 schon wesentlich kleiner als bei ähnlichen Anlässen zuvor. Auf eine Brandschutzprüfung in dem teilbesetzten Haus „Rigaer 94“ im Juni reagierten gewaltbereite bis zu 200 Linksautonome allerdings schon am Tag zuvor mit brennenden Barrikaden und einem heftigen Angriff auf die Polizei.