CharektarMenschen aus der umkämpften Kaukasus-Region Bergkarabach haben Berichten lokaler Medien zufolge ihre Häuser in Gegenden verbrannt, die im Zuge einer Einigung der Kriegsparteien an Aserbaidschan gehen sollen. „Wir wollen nicht, dass Aserbaidschaner in unseren Häusern leben“, sagte eine Bewohnerin des Dorfes Charektar demnach. Zudem sollen Bewohner geflohen sein.

Nach der Ankunft russischer Friedenstruppen in der Konfliktregion übergaben Aserbaidschan und Armenien einander mehrere gefallene Soldaten. Dabei handele es sich um Soldaten, die bei den Kämpfen um die von Aserbaidschan zurückeroberte Stadt Schuscha ums Leben gekommen waren, teilte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium mit. Unterdessen kehrten mehrere vor den Kämpfen geflüchtete Menschen in die Hauptstadt Bergkarabachs, Stepanakert, zurück.

Gebiete sollen an Aserbaidschan gehen

Anfang der Woche hatten sich Armenien und Aserbaidschan unter Vermittlung Russlands nach mehreren Wochen heftiger Kämpfe auf ein Abkommen zum Ende aller Kampfhandlungen verständigt. Es sieht etwa die Rückgabe größerer Gebiete an Aserbaidschan vor, die bislang unter Kontrolle Armeniens gestanden haben. 

Kern der Übereinkunft ist der Einsatz von rund 2000 russischen Friedenssoldaten in Bergkarabach. Sie sollen die Einhaltung der Waffenruhe überwachen. Kommandeur Rustam Muradow sagte am Samstag der Agentur Interfax zufolge, es gebe keine Kämpfe mehr: „Wir hören heute keine Schüsse. Die Situation stabilisiert sich langsam.“

Die meisten Friedenssoldaten bezogen der Deutschen Presse-Agentur zufolge bereits Stellung, darunter auch im von Armenien kontrollierten Stepanakert. Mittlerweile seien zwölf Beobachtungsposten eingerichtet worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Zudem habe die Militärpolizei mit Patrouillen begonnen.

Zensur während Kriegsrecht 

Nach Angaben des armenischen Gesundheitsministeriums wurden bereits die Leichen von mehr als 2300 Getöteten forensisch untersucht. Einige seien noch nicht identifiziert worden, teilte das Ministerium auf Facebook mit. Die Behörden in Bergkarabach gaben die Zahl der getöteten Soldaten zuletzt mit 1383 an. Das aserbaidschanische Militär machte mit Blick auf die Zensur während des Kriegsrechts zunächst keine Angaben zu Opfern in den eigenen Reihen.

Währenddessen wurden die Gespräche zwischen Russland und der Türkei über ein Zentrum zur Überwachung der Waffenruhe am Samstag unterbrochen. Sie sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Das teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Die Verhandlungen hatten am Freitag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen.

Abkommen betrifft auch die Türkei

Das Abkommen zwischen den beiden verfeindeten Ländern Armenien und Aserbaidschan, gegen das es in der armenischen Bevölkerung großen Widerstand gibt, sieht auch einen für die Türkei wichtigen Punkt vor: einen Korridor von Aserbaidschan zu seiner Exklave Nachitschewan. Damit erhält Aserbaidschan eine Landverbindung zur Türkei und Ankara Zugang zum Kaspischen Meer.

Aserbaidschan hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle über Bergkarabach mit seinen etwa 145.000 Bewohnern verloren. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. In dem neuen Krieg hat Aserbaidschan weite Teile des Gebiets zurückerobert. Das Land berief sich dabei auf das Völkerrecht und sah sich von seinem „Bruderstaat“ Türkei unterstützt. Armenien wiederum setzte auf Russland als Schutzmacht.