Das Spiel Union Berlin gegen Feyenoord Rotterdam:

  • Der 1. FC Union Berlin hat in der Conference League gegen Feyenoord Rotterdam gespielt. Die Partie fand im Berliner Olympiastadion statt und ging 1:2 aus.
  • Die Polizei hatte nach den Ausschreitungen beim Hinspiel in den Niederlanden auch gewaltsame Fan-Auseinandersetzungen in Berlin befürchtet.
  • Bereits am Mittwoch waren Rotterdam-Anhänger beispielsweise mit Farbschmierereien an der East Side Gallery negativ aufgefallen. In der Nacht zu Donnerstag gab es mehrere größere Polizeieinsätze. Und auch am Spieltag selbst musste die Polizei öfter eingreifen.
  • Das Spiel fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Union stellte 800 Ordner bereit – so viele wie noch nie zuvor. Die Polizei Berlin hat versucht, die Fans beider Teams strikt voneinander zu trennen.

Freitag, 5. November

Mehr als 320 Festnahmen bei Ausschreitungen vor Risikospiel 

12.20 Uhr: Die Berliner Polizei arbeitet derzeit noch an der Bilanz für die Einsätze im Zusammengang mit dem Risikospiel. Auffällig: Ausschreitungen und Gewalt gab es fast ausschließlich vor dem Spiel. Wie die Polizei jetzt mitteilte, gab es am Mittwoch (139) und Donnerstag (182) 321 Festnahmen, darunter vier Frauen. In der Nacht zum Freitag sei dagegen nur ein weiterer Fan in Polizeigewahrsam genommen worden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin zeigte sich entsetzt: „Es ist traurig, dass mehr als 2000 Einsatzkräfte notwendig sind, um die Sicherheit rund um ein Fußballspiel zu gewährleisten“, sagte der Landesvorsitzende Stephan Kelm. Er verurteilte das Verhalten zahlreicher Fans und empfindet es als äußerst schade, dass ein Sportereignis in den Hintergrund gerät, weil „Sportfeinde“ es für das Ausleben ihrer Gewaltfantasien missbrauchten.

Polizei Berlin: „Das Sicherheitskonzept ist aufgegangen“

11.15 Uhr: Die Berliner Polizei hat in der Nacht nach dem Conference-League-Spiel von Union Berlin gegen Feyenoord Rotterdam (1:2) keine großen Ausschreitungen verzeichnet. „Es war alles ruhig. Das Sicherheitskonzept, das können wir sagen, ist aufgegangen“, hieß es am Freitagmorgen von der Polizei. Unmittelbar vor dem Spiel kam es laut Polizei zu einzelnen Angriffen, Sachbeschädigung und zum Abbrennen von Pyro-Fackeln in Stadionnähe sowie in Berliner U-Bahnstationen. Die befürchtete große Konfrontation der Fanlager konnte aber verhindert werden.

Feyenoord Rotterdam distanziert sich von gewaltbereiten Fans

10.45 Uhr: Feyenoord distanzierte sich vom Auftreten der als gewaltbereit bekannten Anhänger. „In unseren Augen sind es keine Fans. Denn Fan sein bedeutet unterstützen, und diese Figuren helfen unserem Verein auf keinerlei Weise, sondern sie schaden Feyenoord“, sagte ein Club-Sprecher. „Wir lehnen jede Form schlechten Benehmens ab. Wenn du Gast in einer Stadt bist, dann hast du dich normal zu benehmen.“

Zeuge berichtet von Krawall am Rosa-Luxemburg-Platz

6.45 Uhr: Die Berliner Polizei kontrollierte Feyenoord-Fans an der Linienstraße/Alte Schönhauser Straße in Mitte. Ein Augenzeuge berichtet von Randale am U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz. Dabei sollen auch Pyros gezündet worden sein. Mehr als 100 Fans seien beteiligt gewesen. Die Polizei habe die Personalien zahlreicher Personen aufgenommen. Dabei stellten die Einsatzkräfte fest, dass es sich bei der Personengruppe um 120 polnische Fans handelte, die als Unterstützung für Feyenoord Rotterdam angereist waren, jedoch keine Eintrittskarten für das Spiel hatten. 

Morris Pudwell
Die Polizei Berlin kontrolliert Rotterdam-Fans im Umfeld des Rosa-Luxemburg-Platzes in Mitte.

Pyro-Fackeln und Co: Polizei Berlin zieht eine erste Bilanz

6.15 Uhr: Unmittelbar nach dem Conference-League-Spiel von Union Berlin gegen Rotterdam (1:2) ist es laut Polizei zunächst zu keinen weiteren Ausschreitungen von Fußball-Fans gekommen. „Der Abmarsch verlief ruhig“, hieß es am frühen Freitagmorgen. Die rivalisierenden Fanlager waren von der Polizei getrennt worden. Die Situation in der Stadt wurde auch weit nach dem Spiel und in der Nacht weiter beobachtet.

Die Polizei hatte das Hochrisikospiel am Donnerstagabend mit rund 2000 Beamten begleitet. Mehr als 70 Personen, der überwiegende Anteil davon aus den Niederlanden, waren wegen verschiedener Delikte seit Mittwoch festgenommen worden. Vor dem Spiel hatte die Polizei von Angriffen, Sachbeschädigung und dem Abbrennen von Pyro-Fackeln in Stadionnähe sowie in U-Bahnstationen berichtet. Rotterdam-Anhänger hatten auch Pyrotechnik mit ins Olympiastadion gebracht und dort gezündet.

Donnerstag, 4. November

Abpfiff

22.55 Uhr: Der Schiedsrichter hat nach fünf Minuten Nachspielzeit abgepfiffen. Union unterliegt den Gästen mit 1:2. In der 72. Minute schoss Cyriel Dessers das entscheidende Tor für Rotterdam. Union-Torschütze Trimmel kassierte kurz vor Schluss (87. Minute) noch eine Gelb-Rote Karte. Eine Minute später sah Teamkollege Cedric Teuchert ebenfalls rot. Beim Sport lesen Sie eine ausführliche Spielanalyse. Wir berichten dann morgen hier, wie die Nacht verlief.

Halbzeit

21.50 Uhr: Die Feyenoord-Anhänger hatten Pyrotechnik mit ins Olympiastadion gebracht. Dadurch verzögerte sich der Anpfiff ein wenig. Nach der ersten Viertelstunde gingen die Gäste in Führung. In der 41. Minute glich Union aus. Das 1:1 verdanken die Köpenicker dem Verteidiger Christopher Trimmel.

AP/Michael Sohn
Fans von Rotterdam zünden Pyrotechnik im Olympiastadion.

Bei Anpfiff in Polizeigewahrsam

20.45 Uhr: Bei sieben festgenommenen Fans ist bereits klar, dass sie in Polizeigewahrsam bleiben und den Anpfiff (21 Uhr) verpassen werden, twittert die Polizei. Insgesamt wurden in der letzten Nacht 71 Personen aus beiden Fanlagern festgenommen – nachzulesen in unserer Meldung von 13.45 Uhr. Die Justiz prüfe momentan, ob die übrigen Personen wieder auf freien Fuß gelassen werden.

Anreisende Fans zerstören U-Bahn-Tür

20.15 Uhr: Die Polizei ist am Abend außerdem damit beschäftigt anreisende Fans zu begleiten. Am U-Bahnhof Alexanderplatz musste ein U-Bahn-Zug ausgetauscht werden, nachdem Randalierer eine Tür zerstört hatten, twittert die Polizei. Eine U2-Station weiter nördlich (Rosa-Luxemburg-Platz) hätten Fußballfans einen „Nebeltopf“ gezündet und den Bahnhof „komplett verraucht“.

In einem Video, das der Berliner Zeitung vorliegt, drängen sich an der Station Dutzende Personen – zumeist ohne Mund-Nasen-Schutz – in einem U-Bahn-Waggon und schwenken eine Feyenoord-Flagge. Die Polizei twittert weiter: „Einsatzkräfte bleiben an den Gruppen dran, um Straftäter zu ermitteln & festzunehmen.“ Die Beamten hätten zwar Verständnis für die Vorfreude der Fußballfans, dieses ende aber, „wenn dabei Straftaten begangen und Unbeteiligte behindert oder gar gefährdet werden“.

Feyenoord-Anhänger am Olympiastadion festgenommen

18.40 Uhr: Ein Gäste-Fan habe vor dem Olympiastadion Pyrotechnik gezündet, teilte die Polizei auf Twitter mit. Daraufhin sei er festgenommen worden. Zwei weitere Personen hätten Einsatzkräfte angegriffen bzw. Widerstand geleistet. Sie wurden ebenfalls abgeführt.

dpa/Jörg Carstensen
Fans des Fußballvereins Feyenoord Rotterdam entzünden Bengalos auf dem Weg zum Olympiastadion.

Polizisten werfen Feyenoord-Fans aus Berliner Bars

17.35 Uhr: Die Polizei hat im Laufe des Tages immer mal wieder Notrufe von Gastronomen erhalten, da sie sich von Feyenoord-Fans gestört fühlten. Alarmierte Einsatzkräfte begleiteten daraufhin einige Gruppen aus den betroffenen Bars, sagte der Polizeisprecher. Massive Gegenwehr habe es nicht gegeben.

Fans strömen ins Berliner Olympiastadion – Regen kühlt die Gemüter ab

17.15 Uhr: Seit dem späten Nachmittag ziehen größere Fangruppen in Richtung Olympiastadion. In den U- und S-Bahnen kam es bisher zu keinen größeren Anfeindungen, sagte ein Polizeisprecher. Die Lage habe sich etwas beruhigt, nachdem es zu größeren Einsätzen am Hackeschen Markt, Kudamm und auf dem Alexanderplatz gekommen war. „Das regnerische Wetter spielt uns da sicher auch ein bisschen in die Karten“, so der Sprecher. 

Rotterdams Bürgermeister kritisiert Feyenoord-Fans 

16.40 Uhr: Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb hat sich entsetzt über das Verhalten einiger Feyenoord-Fans geäußert: „Jedes Mal, wenn man denkt, dass man den Tiefpunkt erreicht hat, wird ein neuer Tiefpunkt erreicht“, sagte Aboutaleb dem Algemeen Dagblad. „Stellen Sie sich vor, deutsche Fans kommen hierher und beschmieren Zadkines Denkmal mit Farbe. Wie würden wir dann reagieren? Sie treffen auf das historische Herz einer Stadt, einen Ort, der so wichtig für eine Stadt ist“, so Aboutaleb über die Farbschmierereien an der East Side Gallery. 

Aboutaleb verliere langsam seine Sympathie für die Rotterdamer Fans. Die letzten Vorfälle empfindet er als äußerst beunruhigend. „Die Stürmung eines Stadions, die Einschüchterung von Menschen zu Hause, antisemitische Bilder: Das ist exzessiver Blödsinn, der nichts mehr mit Fußball zu tun hat.“

Hunderte Einsatzkräfte versuchen, beide Fanlager zu trennen

14.50 Uhr: Wie die Berliner Polizei mitteilt, sind wegen der drohenden Ausschreitungen heute Hunderte Beamte im Einsatz, darunter 500 Polizisten aus anderen Bundesländern. Diensthunde verstärken die Einsatzkräfte. Ziel sei es, Union- und Feyenoord-Fans nicht aufeinandertreffen zu lassen, so die Polizei. 

50 Rotterdam-Fans zünden Bengalos am Kudamm

14.20 Uhr: In der Nähe des Kurfürstendamms in Charlottenburg überprüft die Polizei gerade Dutzende Feyenoord-Fans. Kurz zuvor sollen rund 50 Fußball-Anhänger aus Rotterdam an der Ecke Kantstraße/Joachimsthaler Straße Bengalos gezündet haben, sagte ein Polizeisprecher. Auch im Osten der Stadt – vor allem am Hackeschen Markt – sollen Gäste-Fans vereinzelt mit Feuerwerk hantiert haben. Einige Bars in der Stadt werden derzeit als Treffpunkte genutzt.

Was macht ein Cottbus-Fan unter den Festgenommenen?

13.45 Uhr: Bei den 71 Festgenommenen handelt es sich laut Berliner Polizei um 70 Männer und eine Frau. Die Ermittler ordnen 58 Personen den Gäste-Fans aus Rotterdam zu. Die anderen Beteiligten seien Anhänger von Union Berlin. Mit einer Ausnahme: Auch ein Fan von Energie Cottbus war dabei. Was er mit den Auseinandersetzungen zu schaffen hat, blieb unklar.

Vereine halten sich mit Kommentaren zurück

12 Uhr: Nach den nächtlichen Polizeieinsätzen in Berlin halten sich die Vereine Union Berlin und Feyenoord Rotterdam mit Kommentaren zu dem Benehmen mancher Fans bisher zurück. Auf ihren Twitter-Kanälen beispielsweise beschränken sich die Klubs im Wesentlichen aufs Sportliche. So fragt der Verein Feyenoord Rotterdam seine Anhänger: „Who’s here for Match 4 in Berlin?!“ (dt.: Wer ist hier für Spiel 4 in Berlin?!).

Rotterdam-Hooligans ziehen durch Kreuzberg und Treptower Park

9.55 Uhr: 600 Einsatzkräfte der Polizei waren von Mittwochnachmittag bis Donnerstagmorgen wegen Ausschreitungen in Berlin im Einsatz. Im gesamten Stadtgebiet kam es zu überfüllten Lokalen und zu Notrufen von Bar-Betreibern, die Ärger mit Feyenoord-Fans hatten. „Hier und da mussten Gäste-Fans von uns aus den Bars gedrängt oder geschoben werden“, sagte eine Polizeisprecherin. Auf den Straßen wurden immer wieder Feuerwerkskörper gezündet und Böller geworfen. Zwei große Einsätze gab es in Kreuzberg und am Treptower Park, wo es auch zu Gewalt und Flaschenwürfen kam.

An beiden Einsatzorten wurden insgesamt 71 Anhänger von Union Berlin und Feyenoord Rotterdam in Gewahrsam genommen, sagte eine Polizeisprecherin. Sie werden wohl erst heute Abend nach dem Spiel wieder freigelassen, hieß es. Bis zum gestrigen Nachmittag waren laut Polizei bereits mehr als 1500 Rotterdam-Fans angereist. 

9.30 Uhr: Die Polizei war nach einem Großeinsatz in Kreuzberg zur Bulgarischen Straße/Neue Krugallee am Treptower Park alarmiert worden. Direkt neben der Grünanlage sind am Mittwochabend rund 30 Union-Fans und 30 Feyenoord-Fans aneinander geraten. Es kam zu Schlägereien. 13 Personen wurden laut Polizei in Gewahrsam genommen. 

Morris Pudwell
Berlin-Kreuzberg: Polizeifahrzeuge sind in der Nacht zum Einsatz gegen Hooligans ausgerückt.

Holländische Polizisten erspähen Rotterdam-„Ultras“ in Berlin

6.45 Uhr: Szenekundige Beamte aus den Niederlanden, die eng mit der Berliner Polizei zusammenarbeiten, entdeckten in der Nacht knapp 130 Rotterdam-„Ultras“ an der Gneisenaustraße, Ecke Mehringdamm. Die Fans sollen Feuerwerk und Bengalos gezündet haben. Berliner Einsatzkräfte versuchten, die Personengruppe zu stellen. Ein Augenzeuge berichtet, dass mindestens 20 Personen flüchteten, aber 300 Meter entfernt an der Blücherstraße festgehalten werden konnten. Der Einsatz entwickelte sich zu einem Großeinsatz, mindestens 80 festgestellte Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Sie werden das Spiel wohl verpassen.

Wie der RBB berichtet, wurde der von Rotterdam-Fans illegal an der East Side Gallery angebrachte „Feyenoord“-Schriftzug inzwischen mit grauer Farbe teilweise übersprüht. Darauf seien nun die Worte „Ultras Union!“ zu lesen. Auch Hertha-Fans hätten sich verewigt, berichtet die Bild. Zudem hätten Rotterdam-Fans etwa am Hackeschen Markt Bengalos abgebrannt.

Überblick: Die wichtigsten Fakten zum Union-Spiel in Kürze

Ausgangslage: In der Gruppe E steht Union unter Zugzwang. Aktuell ist das Team mit drei Zählern Tabellenletzter. Feyenoord steht dagegen mit sieben Punkten auf der Spitzenposition. Das Hinspiel vor zwei Wochen hatte Feyenoord mit 3:1 gewonnen. Union setzt auf seine Heimstärke. Im Olympiastadion gab es gegen Maccabi Haifa (3:0) bislang die einzigen internationalen Punkte in der Gruppenphase für die Eisernen. Die ersten beiden Teams in der Vierergruppe qualifizieren sich für die nächste Runde.

Personal: Angreifer Max Kruse muss erneut wegen einer Oberschenkelverletzung passen. Der Offensivstar ist der einzige Ausfall für Trainer Urs Fischer. Vizekapitän Marvin Friedrich steht nach seiner überwundenen Corona-Erkrankung vor dem Comeback.

Zitat: Trainer Urs Fischer sagt: „Uns ist bewusst, dass es ein wichtiges Spiel ist. Wir können die Tabelle lesen. Die Mannschaft weiß, dass ein Sieg helfen würde. Das ist im Kopf drin. Es geht darum, es besser zu machen als im Hinspiel.“

Sicherheit: Die Partie findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. 5200 der 30.000 Eintrittskarten gingen an Fans aus Rotterdam. Die Polizei wollte noch nicht über die Stärke ihrer Einsatzkräfte reden. Union stellt für die Sicherheit im Olympiastadion 800 Ordner bereit – so viele wie noch nie zuvor.