BerlinSpitzenvertreter der deutschen Biomedizin werfen dem Senat einem Zeitungsbericht zufolge vor, die Wissenschaft zu blockieren – und so während der Corona-Pandemie zur „erheblichen Verzögerung beantragter Forschungsvorhaben“ beizutragen. Laut „Tagesspiegel“ könne eine Tierversuchskommission nicht tagen, weil Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sie zum Teil mit Tierschützern neu besetzen wolle.

Der Bericht bezieht sich auf einen Brief an den Senat, der unterzeichnet wurde von Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Charité-Dekan Axel Pries, Thomas Sommer, Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin (MDC), und Günter Ziegler, dem Präsidenten der Freien Universität (FU).

Covid-19-Experiment sei betroffen

Die Forscher beschweren sich über aufgeschobene Anträge für Tierversuche, da die zuständige Kommission ihre regulären Sitzungen seit Anfang September ausgesetzt habe. Dem Bericht nach warten seit Wochen 20 Anträge auf Genehmigung, darunter ein Experiment zur Covid-19-Forschung.

Vor Versuchen muss die siebenköpfige Tierversuchskommission angehört werden. Für sie zuständig ist Justiz- und Verbraucherschutzsenator Behrendt. Er blockiere die turnusmäßige Neubesetzung der Kommission und dränge darauf, die meisten Sitze mit Tierschützern zu besetzen, hieß es.

Ein Sprecher des Senators sagte dem „Tagesspiegel“, es solle bald zwei Tierversuchskommissionen geben. Die sogenannte konstituierende Sitzung finde am 26. November statt – die erste Kommission werde noch an diesem Tag die Arbeit aufnehmen.