Berlin - Sahra Wagenknecht hat sich kritisch zu den Aussagen des Bundesgesundheitsministeriums über einen deutlichen Anstieg von doppelt Geimpften in den Statistiken vom Robert-Koch-Institut (RKI) geäußert. Die ehemalige Linken-Fraktionschefin warf dem Ministerium unter Jens Spahn (CDU) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor, aktuelle Zahlen zum Anstieg der Impfdurchbrüche nicht veröffentlichen zu wollen.

Zum Hintergrund: In der Zeit vom 13. September bis zum 10. Oktober ist offenbar die Anzahl der Impfdurchbrüche bei intensivmedizinisch behandelten Erkrankten von zuvor zehn Prozent auf 29 Prozent angestiegen. Das Gesundheitsministerium begründet das Wachstum gegenüber dem RND mit einem „rein statistischen Effekt“, der durch eine methodische Umstellung seitens des RKIs verursacht worden sei.

Dem Bericht zufolge waren wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus verbrachte Patienten, deren Impfstatus unbekannt war, als ungeimpft registriert worden. Das bedeutet, da aller Wahrscheinlichkeit nach nicht jeder dieser Infizierten ungeimpft war, der Anteil der Impfdurchbrüche in dem genannten Zeitabschnitt höher gelegen haben muss. Diese Dokumentationsmethode galt offenbar bis zum 22. September.

Wagenknecht: Ministerium soll „Zahlen auf Wochenbasis“ veröffentlichen

Danach seien laut dem Ministerium lediglich die Fälle ausgewiesen worden, von denen bekannt gewesen sei, ob sie geimpft waren oder nicht. Wagenknecht soll diesbezüglich eine Anfrage beim Ministerium gestellt haben. Ein Staatssekretär verwies dem RND zufolge in seiner Antwort auf den steigenden Anteil Geimpfter, durch den „auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren, mitunter geimpfte Personen betroffen sein können“, steige.

Wagenknecht hält dem Ministerium offenbar vor, dass es sich weigere „die noch aktuelleren Zahlen auf Wochenbasis zu veröffentlichen“. Die Bundestagsabgeordnete soll im Zuge dessen von einem „Skandal“ gesprochen haben, weil die wöchentlichen Daten über Impfdurchbrüche dem Ministerium aufgrund von detaillierten Informationen über „Impfeffektivität“ aus dem wöchentlichen Lagebericht des RKI bekannt sein müssten.

Wagenknecht geht offenbar davon aus, dass der Anteil der Impfdurchbrüche auch in den kommenden Wochen steigt. Daher werde der „überwiegende Teil“ der Erkrankungen durch Infektionen von vollständig Geimpften stattfinden. Die von Jens Spahn verwendete Beschreibung „Pandemie der Ungeimpften“ hält sie dem RND zufolge im Übrigen für „üble Stimmungsmache“.

Intensivmediziner: Nahezu keine Geimpften auf den Intensivstationen

Unterdessen weisen deutsche Intensivmediziner darauf hin, dass es auf den Corona-Intensivstationen nahezu keine geimpften Patienten ohne Vorerkrankung gibt. Das würde demnach bedeuten: Wenn ein geimpfter Infizierter auf der Intensivstation landet, dann leidet er in der Regel bereits unter einer schweren Vorerkrankung.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte gegenüber der RND unter Berufung auf Gespräche „mit vielen Kollegen großer deutscher Intensivstationen“: „Die allermeisten Patienten, die wir behandeln, sind gar nicht oder nicht vollständig geimpft.“ Die Minderheit der Geimpften auf den Intensivstationen bestehe zu großen Teilen aus älteren Patienten, deren zweite Impfung schon weit zurückliege. „Diese Menschen leiden in aller Regel zudem unter schweren chronischen Krankheiten“, sagte Marx.