Ein Informationskrieg zwischen Frankreich, Russland und der Regierung von Mali. Die malische Armee hatte zunächst den Fund eines Massengrabes in der Nähe einer kürzlich aufgegebenen französischen Militärbasis verkündet. Nahe des Stützpunktes Gossi seien „Leichen in fortgeschrittenem Verwesungszustand in einem Massengrab entdeckt“ worden, erklärte der Generalstab der Streitkräfte am Freitagabend. Das berichtet AFP. Die französische Armee beschuldigt nun russische Söldner der Wagner-Gruppe, derartige Gräueltaten zu inszenieren.

Leichen begraben, um französische Soldaten zu beschuldigen?

Der französische Generalstab hatte bereits am Donnerstag ein Drohnen-Video veröffentlicht, auf dem Soldaten zu sehen sind, die in der Nähe eines Militärstützpunkts Leichen mit Sand bedecken. Frankreich erklärte, es handele sich bei den Soldaten um Söldner der russischen Gruppe Wagner. Diese hätten Leichen begraben, um die französischen Soldaten zu beschuldigen, vor ihrem Abzug am Dienstag, den 19. April, ein Massengrab hinterlassen zu haben. In dem Video, das von einer Drohne aufgenommen wurde und das die französische Armee verhältnismäßig schnell freigegeben hat, sieht man Soldaten, die sich um die Leichen kümmern und sie mit Sand bedecken. In einer anderen Sequenz sieht man, wie zwei der Soldaten die halb verschütteten Leichen filmen.

FRENCH ARMY GENERAL STAFF
Ein Screenshot des Videos, das Söldner der Wagner-Gruppe an dem Massengrab zeigen soll

Zuvor hatte der Generalstab bereits vor massiven „Informationsangriffen“ gewarnt, mit denen die Glaubwürdigkeit des französischen Militäreinsatzes in Mali untergraben werden solle. Sprecher Oberst Pascal Ianni hatte darauf hingewiesen, dass eine „dokumentierte“ Bestandsaufnahme des Stützpunkts Gossi erstellt worden sei, um Frankreich vor möglichen Anschuldigungen zu schützen.

Frankreich: Es ist ein Informationsangriff

Die Bilder der Leichen wurden vergangenen Donnerstag zunächst über ein im Januar 2022 eingerichtetes Twitter-Konto verbreitet. Der Inhaber des Kontos bezeichnet sich selbst als „ehemaliger Soldat“ und „malischer Patriot“. Das französische Militär teilt hierzu mit, es handele sich „wahrscheinlich um einen gefälschten Account“, der von der privaten russischen Söldnertruppe Wagner erstellt wurde. Belege für diese Theorie nannten die Franzosen nicht. „Dieses Manöver steht stellvertretend für die zahlreichen Informationsangriffe, denen das französische Militär seit vielen Monaten ausgesetzt ist“, sagte Oberst Ianni weiter.

Der malische Generalstab gab seinerseits bekannt, dass er „ein Massengrab unweit des ehemals von der französischen Barkhane-Truppe besetzten Lagers“ entdeckt habe. Das „Massengrab“ wurde von einer Patrouille entdeckt, die sofort zur Aufklärung in die Umgebung des Lagers geschickt worden war, kurz nachdem Schüsse gefallen waren, die mit dem Abzug der französischen Armee zusammenfielen. „Der fortgeschrittene Verwesungszustand der Leichen deutet darauf hin, dass dieses Massengrab schon lange vor der Rückübertragung existierte. Folglich kann die Verantwortung für diese Tat keinesfalls den FAMa zugeschrieben werden“, erklärte er.

Das Verteidigungsministerium sei „mit der Einleitung einer Untersuchung befasst worden, um das Massengrab vollständig aufzuklären“. Die malische Armee erklärte, dass sie es „bedauere“, „böswillig Gegenstand von Mitteilungen zu sein, die darauf abzielen, (ihren) Aufstieg in die Macht zu verfälschen und (ihr) Image“ sowie das von Mali „zu beeinträchtigen“.

Die französischen Truppen hatten erst am Dienstag die Basis in Gossi an die malischen Streitkräfte übergeben. Dort waren zuvor 300 Franzosen stationiert. Die französische Regierung hatte im Februar den Abzug ihrer Truppen aus dem westafrikanischen Land beschlossen. Grund waren Spannungen zwischen Frankreich und der dort herrschenden Militär-Junta, die vom Westen beschuldigt wird, die Dienste der Wagner-Gruppe in Anspruch zu nehmen. Wagner wird vom Westen als verlängerter Arm der russischen Regierung gesehen. Der Kreml widerspricht dieser Darstellung, die Regierung Malis spricht ihrerseits nur von russischen „Militärberatern“.

Die malischen Truppen und ihre „Berater“ werden selbst zahlreicher Gräueltaten beschuldigt. Die Uno hatte Mali erst am Mittwoch aufgefordert, ihren Ermittlern freien Zugang zu dem Dorf Moura zu gewähren, in dem bei einem Massaker in der Zeit vom 23. bis 31. März insgesamt 300 Zivilisten getötet worden sein sollen. (mit AFP)