Berlin - Stundenlanges Warten, abgesprungene Wahlhelfer, gesperrte Straßen: Der Superwahltag ist in Berlin chaotisch verlaufen. In vielen Wahllokalen wurden Wahlzettel vertauscht. Das Wahldesaster fand einen Höhepunkt in Friedrichshain-Kreuzberg. Dort wurden kurzerhand Stimmzettel am Kopierer gedruckt, damit die Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen konnten. Das bestätigte der Wahlleiter von Friedrichshain-Kreuzberg, Rolf-Dieter Bohm, gegenüber der Berliner Zeitung.

In Friedrichshain-Kreuzberg waren einigen Wahllokalen fälschlicherweise die Stimmzettel für Charlottenburg-Wilmersdorf geliefert worden. Weil die richtigen Stimmzettel also anderswo gelandet sein mussten, drohten gegen Nachmittag in mehreren Wahllokalen die Stimmzettel auszugehen, wie Bohm erklärt. Betroffen waren die Stimmzettel für die Zweitstimme zum Abgeordnetenhaus. 

Wahlhelfer kritisiert: „Das Bezirksamt hat völlig falsch geplant“

Die Wahlhelfer griffen daher zu radikalen Mitteln. „Nachdrucken konnten wir die nicht. Deshalb haben wir in Absprache mit der Landeswahlleitung Ersatz-Stimmzettel auf Kopierern im Rathaus hergestellt.“, sagt Bohm. Angesichts der entstandenen Lage erschien ihm dieser gewählte Weg „sachgerecht“. Die kopierten Ersatzstimmzettel seien durch den Wahlleiter geprüft und freigegeben worden.

Ob auch Taxis für die Lieferung eingesetzt wurden, ist Bohm nicht bekannt. In einem Fall habe aber die Polizei Stimmzettel in die Wahllokale gebracht. Ein Wahlhelfer kritisiert die Organisation der Wahlen in Berlin indes scharf: „Das Bezirksamt hat völlig falsch geplant. Wir haben nicht mit dem Andrang gerechnet!“