Berlin - Immer mehr scheint schiefgegangen zu sein am Wahlsonntag in Berlin: Wegen eklatanter Pannen trat die Landeswahlleiterin Petra Michaelis am Mittwoch zurück, Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat eine Stellungnahme angefordert, eine Neuwahl ist derzeit nicht vom Tisch. Nun kommt heraus: Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat Wahlergebnisse geschätzt statt eine Auszählung abzuwarten. Ausschließlich die BVV-Wahlen sollen betroffen sein.  Wie eine Recherche von rbb24 ergab, wurden auf der Website der Landeswahlleitung für 22 Wahlbezirke exakt dieselben Stimmanteile für alle Parteien genannt.

Bezirkswahlleiter Felix Lauckner räumte gegenüber dem Nachrichtenportal ein, dass die Zahlen für diese 22 Wahlbezirke geschätzt seien. Wie tatsächlich gewählt wurde, sei  noch nicht bekannt. Das tatsächliche Ergebnis werde in den Folgetagen nacherfasst. Felix Lauckner sagte rbb24: „Sofern in der Wahlnacht von einzelnen Wahlvorständen abschließend keine Ergebnisse gemeldet werden, ist in Einzelfällen eine händische oder maschinelle Schätzung auf der Grundlage des bis dahin erfassten Gesamtergebnisses zulässig.“ Erlaubt seien solche Schätzungen aber nur, „soweit keine Mandatsrelevanz ersichtlich ist.“

Betrifft diese Mandatsrelevanz jetzt auch das Bezirksparlament in Charlottenburg-Wilmersdorf? Immerhin hat der Bezirk etwa 341.000 Einwohner. Bei den BVV-Wahlen geht es um die Frage, welche Partei den Bürgermeister und welche die Stadträte stellt. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, in dem traditionell eher SPD und CDU vorne liegen, gewannen am Sonntag die Grünen überraschend und dürften nach jetzigem Stand auch den Bezirksbürgermeister stellen.