Palma de Mallorca - Jan Ullrich lächelte sein berühmtes Jan-Ullrich-Lächeln. Der tief gefallene deutsche Rad-Held war voll in seinem Element: Auf einem Rennrad posierte er für die Kamera, neben ihm im Sattel sein alter Rivale Lance Armstrong, dem er bei einer gemeinsamen Tour auf Mallorca freundschaftlich die Hand auf die Schulter legte. Der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger hat seine Dämonen offenbar unter Kontrolle bekommen – und packte nun aus, wie schlimm es 2018 um ihn stand.

„Ich hatte große Probleme. Ich war auf demselben Weg wie Marco Pantani, fast tot“, sagte Ullrich in Armstrongs Podcast The Move. Der ehemalige Tour-Sieger Pantani starb 2004 im Alter von 34 Jahren. Armstrong und weitere Freunde hätten ihn „zurück ins Leben“ gebracht, fügte Ullrich dankbar hinzu und erklärte: „Ich brauchte Zeit für mich. Mein Kopf ist jetzt wieder klar, mein Körper fit. Kein Alkohol, keine Drogen. Ich lebe sehr gesund. Und ich habe einige Ideen.“

Armstrong zu Jan Ullrich: „Ich bin so stolz auf dich, Champ“

Armstrong, einst Mister Unbesiegbar bei der Tour und später als größter Dopingbetrüger der Sportgeschichte bloßgestellt, veröffentlichte am Sonntag die Fotos, die einen ausgeglichen wirkenden Jan Ullrich zeigen, und kommentierte bei Twitter: „Es bedeutet mir die Welt, mit Jan Ullrich auf Mallorca zu fahren und mir auf dem Rad von ihm in den Hintern treten zu lassen.“

Der Texaner hatte bereits zuvor bei Instagram Bilder veröffentlicht, die ihn in freundschaftlicher Verbundenheit mit dem deutschen Tour-de-France-Sieger von 1997 zeigen. „Es ist unmöglich in Worte zu fassen, was es mir (und Millionen anderen) bedeutet, diesen Mann wieder zurück und gesund zu sehen“, schrieb Armstrong: „Ich bin so stolz auf dich, Champ, und ich liebe dich und werde immer für dich da sein.“

Armstrong und Ullrich hatten sich nach der Jahrtausendwende immer wieder packende Duelle bei der Frankreich-Rundfahrt geliefert – wie Armstrong in seinem Podcast anmerkte, sei der drei Jahre jüngere Rostocker sein „einziger echter Rivale“ gewesen und der Grund, jeden Morgen auf das Rad zu steigen.

Tiefpunkt von Jan Ullrich war 2018

Armstrongs sieben Gesamtsiege (1999 bis 2005) wurden mittlerweile gestrichen, er ist verbrannt in der Radsport-Gemeinschaft. Ullrichs Karriere war mit der Operacion Puerto, den Dopingenthüllungen um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes, 2006 praktisch beendet. Seinen Toursieg behielt der gebürtige Rostocker, doch sein Ruf war dahin. In der Folge erlebte Ullrich auch einen gesundheitlichen Absturz, den Tiefpunkt erreichte er 2018. Nicht zuletzt dank Armstrongs Hilfe hat sich der 47-Jährige inzwischen stabilisiert.

Zu Armstrongs 50. Geburtstag am 18. September hatte sich Ullrich in der Bild-Zeitung bedankt: „Vor gut drei Jahren, in der schwierigsten Phase meines Lebens, warst Du, lieber Lance, für mich da. Du hast mir unter die Arme gegriffen und gezeigt, dass der größte Rivale ein echter Freund werden kann. Deine Unterstützung hat dazu beigetragen, dass ich heute wieder gesund bin und mein Leben im Griff habe.“