WarschauMehr als 300 Personen hat die Polizei bei Ausschreitungen von Rechtsradikalen und Nationalisten beim verbotenen sogenannten Unabhängigkeitsmarsch in Warschau festgenommen. Rund 270 Personen habe man entweder „präventiv“ festgenommen oder direkt nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag in Warschau. Die Beamten hätten auch eine Schusswaffe und Pyrotechnik sichergestellt. Bei den Auseinandersetzungen mit den Demonstranten seien 35 Polizisten verletzt worden, drei von ihnen müssten weiterhin im Krankenhaus behandelt werden. „Wir hatten es mit einer Schlacht zu tun.“ Bei einem Großteil der Randalierer habe es sich um gewaltbereite Fußball-Hooligans gehandelt.

Am Mittwoch waren Tausende polnische Nationalisten und Rechtsradikale durch die Warschauer Innenstadt gezogen. Fernsehaufnahmen zeigten, wie Demonstranten Barrieren umwarfen und Steine und Feuerwerkskörper gegen die Polizisten schleuderten. Zwei Wohnungen in einem Haus an der Marschroute gingen in Flammen auf. Erste Ermittlungen deuteten daraufhin, dass der Brand durch Feuerwerkskörper ausgelöst wurde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nach Angaben der Agentur PAP.

Wegen der Corona-Pandemie hatte Warschaus Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski den Marsch verboten, zu dem rechte Organisationen für den polnischen Nationalfeiertag aufgerufen hatten. In Polen sind derzeit Versammlungen nur mit maximal fünf Personen erlaubt.