Emmanuel Macron am langen Tisch im Kreml, Emmanuel Macron am Telefon mit dem Weißen Haus. Der französische Präsident hat sich in der Ukraine-Krise als unermüdlicher Diplomat und Schlichter auf internationalem Parkett profiliert – wobei die Bemühungen, einen Krieg zu verhindern, vergeblich blieben. In Frankreich aber fällt auf: Knapp sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl zögert Macron noch immer seine offizielle Bewerbung um eine zweite Amtszeit hinaus. Seine Konkurrenten, schon seit Monaten auf Wahlkampftour, beklagen längst einen unlauteren Wettbewerb. Macron, unterwegs als Staatsmann, entziehe sich schlicht der direkten Auseinandersetzung. Mit Absicht?

Am 7. März werden die Bewerber öffentlich gemacht

Eine Entspannung der Ukraine-Krise sei – neben einer Verbesserung der Corona-Lage – Voraussetzung für die Bekanntgabe seiner Kandidatur, hatte Macron Anfang Februar in einem Interview noch selbst erklärt. Doch die Entspannung kam nicht, ganz im Gegenteil. Inzwischen hat der amtierende Staatschef nur noch eine knappe Woche Zeit, sich zu erklären, ehe am 7. März die Liste der Bewerber öffentlich gemacht wird. In den Umfragen rangiert Macron seit Monaten trotzdem vorne: Rund 25 Prozent wollen ihn nach dem Wahlgang am 10. April und der Stichwahl am 24. April auch weiter als Präsidenten der Republik sehen.

Dabei ist der 44-jährige Mitte-Politiker eigentlich längst wie ein Kandidat unterwegs, besucht letzte Winkel im Land, in denen er während seiner Amtszeit noch nicht war, und bedenkt Gruppierungen mit Aufmerksamkeit, die Wählerpotenzial bergen. Zugleich nutzt er die großen Bühnen, die sein Amt ihm bietet, verkündet etwa den Ausbau der Atomkraft und ist während der französischen EU-Ratspräsidentschaft, die just ins laufende erste Halbjahr fällt, auch abseits der Ukraine-Krise mehr denn je auf internationalem Parkett präsent.

Entscheidend, wie Macron die Kandidatur begründet

Nach Einschätzung der Jean-Jaurès-Stiftung, einer politischen Denkfabrik, wird nicht entscheidend sein, wann Macron seine Kandidatur erklärt, sondern wie er sie begründet. Macron gelang 2017 als politischer Jungstar abseits des traditionellen Parteiensystems der Einzug in den Élyséepalast - viele seiner Reformpläne konnte er aber nicht umsetzen. Erst bremsten die „Gelbwesten-Proteste“ gegen hohe Lebenshaltungskosten seinen Eifer, dann kam die Corona-Krise, seine umstrittene Rentenreform schob er auf. Mit einem „Koste-es-was es-wolle“-Kurs wurden die Pandemiefolgen abgefedert, wirtschaftlich kommt Frankreich gerade überraschend gut aus der Krise.

Das Abwarten schadete Macron zunächst nicht. Während das rechte und linke Lager mit Zänkereien und Überläufern von sich reden machten und die Bewerber sich aneinander abarbeiteten, erhielt der Präsident von links und rechts regelmäßig neue namhafte Unterstützer. Nun aber hört man Kritik, Macron habe sich in seiner Rolle als Ukraine-Retter verzockt, von den Russen vorführen lassen, und gerate nun mit der von ihm geplanten Inszenierung seiner Kandidatur in die Klemme.

Während das Rätselraten über den Tag der Ankündigung andauert, kursiert zumindest ein Datum für den ersten großen Wahlkampfauftritt: Am kommenden Samstag sei dieser in Marseille geplant. Über die Art und Weise, wie Macron sich zuvor erklärt, wird noch spekuliert. Es werde entweder sehr nüchtern - oder aber sehr feierlich, berichtete die Zeitung Le Journal du Dimanche aus dem Umfeld des Präsidenten. Macron „muss sagen, warum er Kandidat ist“, betonte ein enger Vertrauter. Seine Erklärung werde sowohl vor Ort als auch in sozialen Netzwerken und klassischen Medien erfolgen, um „mit allen zu sprechen“, sagte ein Vertrauter der Zeitung Le Parisien.

„Es wird ein Epos des Optimismus sein.“

Rund 40 Tage bleiben Macron danach für seine Kampagne, begleitet von einem kleinen Kreis versierter Unterstützer. Im Fokus stehe die Inszenierung eines Mannes gegenüber den Franzosen, sagte ein Stratege dem Parisien. „Bei den Präsidentschaftswahlen geht es um die Wahl eines republikanischen Monarchen.“ Geplant seien nur drei große Wahlkampfauftritte. Bei seiner Kampagne werde Macron ein möglichst breites Wählerspektrum anzusprechen versuchen, vom linken bis zum heftig umkämpften rechten Spektrum. Die Tonlage ist dabei gesetzt: „Es wird ein Epos des Optimismus sein.“