Ein 2018 aufgenommenes Bild von dem früheren Atomkraftwerk
Foto: imago images/Richard Atrero de Guzman

FukushimaTrotz Protesten von Fischern will Japans Regierung gefiltertes Kühlwasser aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer ableiten. Grund ist, dass dem Staat zufolge bald kein Platz mehr zur Lagerung des Wassers auf dem Gelände des 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zerstörten Atomkraftwerks ist.

Jeden Tag kommen rund 170 Tonnen Wasser hinzu, das zwischengelagert werden muss. Inzwischen sind mehr als 1000 Tanks auf dem Gelände voll. Spätestens im Sommer 2022 gehe jedoch der Platz aus, hieß es. Daher hält die Regierung ein Ableiten des Wassers ins Meer für eine realistische Option. Auch der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, hatte bei einem Besuch der Atomruine im Februar laut japanischen Medien erklärt, die Ableitung kontaminierten Wassers ins Meer entspreche globalen Standards und sei übliche Praxis auch bei Atomkraftwerken, die ganz normal arbeiteten.

Es könnte noch Jahre dauern, bis das Wasser abgeleitet wird

Fischer und Anwohner in Fukushima lehnen eine solche Maßnahme jedoch ab. Der Chef eines Fischereiverbandes drückte diese Woche bei einem Treffen mit einem Sprecher der Regierung seinen Widerstand aus. Auch Südkorea, dass gegenwärtig Importe von Meeresfrüchten aus der Region verbietet, hat sich wiederholt besorgt über mögliche Folgen für die Umwelt geäußert. Der neue Regierungschef Yoshihide Suga erklärte, er wolle so bald wie möglich entscheiden.

Wie japanische Medien berichteten, könnte nach siebenjähriger Debatte darüber, was mit dem in riesigen Tanks gelagerten Wasser geschehen soll, noch in diesem Monat eine Entscheidung fallen. Doch für ein Ableiten des Wassers ins Meer seien Baumaßnahmen nötig, für die vorher eine Einschätzung der Atomaufsicht erfolgen müsse. Daher könne es etwa zwei Jahre dauern, bevor mit dem Ableiten begonnen werden kann, hieß es.

Am 11. März 2011 verwüstesten ein schweres Erdbeben und ein Tsunami den Nordosten Japans, rund 18.500 Menschen starben damals in den Fluten. Zudem kam es zum sogenannten Super-Gau im Atomkraftwerk, bei dem niemand direkt ums Leben kam. Wegen der radioaktiven Strahlung von Kernschmelzen in drei der Reaktoren mussten rund 160.000 Anwohner damals fliehen. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit  Tschernobyl 1986. Inzwischen gilt die Lage im AKW Fukushima insgesamt als stabil.

Noch immer werden die zerstörten Reaktoren mit Wasser gekühlt. Hinzu kommt Grundwasser, von dem ein Teil in die Untergeschosse der Reaktoren gelangt. Ein Teil des dadurch radioaktiv belasteten Wassers wird nach Durchlaufen eines Filtersystems in Tanks gelagert - inzwischen rund 1,2 Millionen Tonnen. Ein technisches System kann viel herausfiltern. Dennoch musste der Betreiber Tepco die Reinigungsprozesse kürzlich wiederholen, da die Radioaktivität laut Medien teils noch über den zulässigen Grenzwerten lag.