WDR beruhigt Frauen: Dunkle Straßen sind nicht gefährlicher

Um Energie zu sparen, wird jetzt auch das Abschalten der Straßenbeleuchtung diskutiert. Die Angst von Frauen vor dunklen Straßen ist unbegründet, sagt der WDR.

Mit diesem Bild sorgt der WDR für Diskussionen.
Mit diesem Bild sorgt der WDR für Diskussionen.WDR/ Instagram

Um Strom zu sparen, reduzieren die ersten Städte und Gemeinden jetzt auch die Straßenbeleuchtung. In der daraus entstandenen Diskussion über den Zusammenhang zwischen dunklen Straßen und dem damit verbundenen Sicherheitsgefühl gibt die Wissenschaftsredaktion des WDR jetzt Entwarnung. Die Redaktion des Quarks (Selbstbeschreibung: „Einordnung auf der Grundlage wissenschaftlicher Evidenz“) spricht dazu direkt Frauen an. Unter der Überschrift „Strom sparen“ teilt Quarks mit: „An vielen Orten auf der Welt wurde untersucht, ob mehr oder weniger Straßenbeleuchtung zu mehr oder weniger Kriminalität führt. Dabei zeigt sich, dass es kaum Unterschiede bei Gewaltdelikten gibt.“

Weiter schreibt die Redaktion: „Die Täter scheinen also keinen Unterschied zu machen, ob es hell oder dunkel ist.“ Im nächsten Satz heißt es: „Ob in Deutschland nachts mehr Gewaltverbrechen als tagsüber passieren, wird statistisch leider nicht erhoben, hat uns das Bundeskriminalamt mitgeteilt.“

„Sowas können doch nur Männer überlegen“

In jedem Fall hätten Menschen im Dunklen „mehr Angst rauszugehen“ und würden sich „mehr vor Kriminalität fürchten“. Diese Angst müsse „aber keinen rationalen Grund haben“. So zeige eine Studie, dass Menschen etwa das Risiko, ermordet zu werden, um den Faktor 250 überschätzten. Bei der vom WDR zitierten Studie handelt es sich um die „Bochumer Studie zur Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung“.

Der WDR-Beitrag sorgt vor allem bei Frauen für teils heftige Kritk. Eine Userin schreibt dazu: „Ob die Anzahl der Straftaten steigt, wissen wir erst hinterher. Wie viele Frauen laufen jetzt schon nachts mit Angst nach Hause, nehmen an Selbstverteidigungskursen teil, telefonieren auf dem Heimweg oder tun so als ob. Es kann nicht sein, dass Männer, die diese Angst nie spüren mussten (und die meisten Politiker sind Männer) so etwas überlegen.“

Eine weitere Frau wird deutlicher: „Wer hier Sparen vorschlägt, ist echt behämmert. Was sind das für blödsinnige Untersuchungen? Natürlich meide ich dunkle Gassen, da bin ich nicht die einzige Frau, denke ich. Sowas können doch nur Männer überlegen, oder?“

Polizei: „Benutzen Sie beleuchtete und belebte Straßen“

Und an anderer Stelle heißt es: „Liebes quarks.de-Team, macht doch mal eine Umfrage, wie viele Frauen sich tatsächlich unwohl/ verängstigt fühlen würden. Ich erinnere mich an letztes Jahr, als viral die Frage rumging, was wäre, wenn es keine Männer gäbe. So viele haben geschrieben ‚Nachts spazieren gehen‘“.

Die Experten der „Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ halten Beleuchtung von Straßen nach eigenen Angaben für sinnvoll. Hier heißt es unter anderem: „Straßenräuber suchen zur Tatbegehung vorwiegend dunkle und abgelegene Straßen, Wege oder Plätze auf. Meiden Sie deshalb solche Orte und nehmen Sie gegebenenfalls lieber Umwege in Kauf. Benutzen Sie beleuchtete und belebte Straßen“.

Auch der WDR sprach vor der Energiekrise und den damit verbundenen Sparmaßnahmen mit der Polizei über die Relevanz von Licht und Helligkeit hinsichtlich Kriminalität und Sicherheit. Ende November 2019 wurde in einem Beitrag unter der Überschrift „Mehr Sicherheit für Frauen in der Dunkelheit“ die Kriminaloberkommissarin Marion Heyers befragt. Sie erklärte, wie man sich „vor Bedrohungen und Übergriffen schützen könne“.

In dem Beitrag heißt es: „Laufen Sie grundsätzlich nachts nicht alleine durch die Straßen- besser ist es, mit einer Gruppe unterwegs zu sein. Vermeiden Sie dunkle Ecken und benutzen Sie stattdessen ausgeleuchtete Straßen, auch wenn dies länger dauern sollte.“