Köln - Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin Nemi El-Hassan entschieden. Das teilte der öffentlich-rechtliche Sender in Köln am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit. Zuvor hatte die Journalistin einen Gastbeitrag in der Berliner Zeitung veröffentlicht, in dem sie Kritik am WDR zum Umgang mit ihr in den vergangenen Wochen äußerte.

Der WDR habe sich, so El-Hassan, in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu ziehen, den Argumenten der Bild-Zeitung angeschlossen und somit auch zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet. Vom Sender hieß es nun als Begründung für seine Entscheidung: „Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden.“

Der ganze Fall rund um die Beschäftigung El-Hassans hängt mit Vorwürfen um vermeintlichen Antisemitismus zusammen. Ursprünglich sollte die Journalistin die Wissenschaftssendung „Quarks“ moderieren. Ihr Start war für November vorgesehen. Die Bild-Zeitung hatte Anfang September im Kontext der neuen Aufgabe El-Hassans beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender WDR von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo in Berlin im Jahr 2014 berichtet. El-Hassan hatte sich nach dem Medienbericht in einem Statement auf sozialen Medien von der Demo distanziert und sich in einem Spiegel-Interview für die Teilnahme entschuldigt.

Nachdem die Bild-Zeitung auf sozialen Medien Likes von El-Hassan für eine israelkritische jüdische Gruppierung aufgespürt hatte, die auch WDR-Intendant Tom Buhrow als „problematisch“ einstufte, hatte der Sender sich im weiteren Verlauf gegen eine Moderation El-Hassans in der Wissenschaftssendung entschieden. Als Begründung hieß es, „dass die Auseinandersetzung um ihre Person zu einer unangebrachten Politisierung der renommierten Wissenschaftssendung geführt“ habe. Die ARD-Anstalt hatte zunächst weiter geprüft, ob El-Hassan möglicherweise dennoch als Autorin für „Quarks“ arbeiten könnte.

In ihrem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung kritisierte El-Hassan unmissverständlich: „Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land“.