Berlin - Ein Video von der Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan sorgt derzeit für Wirbel im Netz. El-Hassan soll ab Oktober das WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“ moderieren. Nun wird El-Hassan jedoch unter anderem dafür kritisiert, dass sie in dem Beitrag für die Bundeszentrale für politische Bildung den Dschihad in ein positives Licht gerückt haben soll. 

El-Hassan sagt in dem Video: „Dschihad heißt, menschlich zu sein und zu bleiben und die eigenen Geister fortzutreiben. Sich nicht einnehmen zu lassen von Gier und Eigensucht. Sich zu stellen diesem Kampf statt es sich einfach zu machen und zu wählen die Flucht.“ Die Ärztin erklärt weiter in dem Beitrag von 2015: „Mein Dschihad bedeutet freundlich sein.“ In ihrem Sinne meine Dschihad „geduldig sein“ sowie „arbeiten und schreiben“. Dschihad bedeute, die Wahrheit zu sagen – egal wie unangenehm es dadurch werde. 

Diese Aussagen werden von Bild herausgegriffen. El-Hassan sagt in dem Video allerdings auch, dass das Wort Dschihad noch eine weitere Bedeutung habe: „Militärische Kampfhandlungen zur Ausdehnung oder Verteidigung des muslimischen Herrschaftsgebietes“. Der WDR stärkt El-Hassan den Rücken: Die Aussagen aus dem Video seien in dem Bericht „aus dem Kontext gerissen“, hieß es. Auch auf Social Media musste El-Hassan viel Kritik für die den Dschihad vermeintlich relativierenden Worte einstecken. 

El-Hassan, die derzeit noch für das WDR-Format Funk arbeitet, wird jedoch auch an anderer Stelle Nähe zu Islamisten unterstellt. So soll die Medienmacherin 2014 an einem Protestzug der Al-Kuds-Bewegung teilgenommen haben. Auf dem Marsch sollen antisemitische Parolen gerufen und kippatragende Juden attackiert worden sein.

El-Hassan: Teilnahme an Al-Kuds-Demo war Fehler

Nemi El-Hassan distanzierte sich am Montag nachträglich von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo vor Jahren. Ihre Management-Agentur teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur ein Statement El-Hassans mit: „An den Al-Kuds-Demos vor sieben Jahren in Berlin teilzunehmen, war ein Fehler.“

In dem Statement der 28-Jährigen hieß es weiter zu ihrer damaligen Teilnahme: „Keinesfalls habe ich während der Demo antisemitische Parolen von mir gegeben, noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen.“ Während Ausschreitungen sei sie nicht zugegen gewesen. Ihr sei es wichtig, sich gegen Hass und Gewalt zu positionieren. Ihr Anliegen sei gewesen, Solidarität mit Palästinenserinnen und Palästinensern auszudrücken.

„Die Mittel waren die falschen, das sage ich heute mit Nachdruck. Ich distanziere mich daher klar und ausdrücklich von den Al-Kuds-Demos, sowie weiteren Demonstrationen in einem ähnlichen Kontext. Ich verurteile jegliche antisemitischen Äußerungen und Aktionen, sämtliche Arten von Gewalt und insbesondere die Gewalt, die auf diesen Demos stattgefunden hat“, hieß es weiter in dem Statement. (mit dpa)