SonnebergEs ist das Comeback einer fast vergessenen Hobby-Tüftelei. Modelleisenbahnen erleben in der Corona-Krise Konjunktur. Der Umsatz des ostdeutschen Traditionsunternehmens Piko GmbH stieg 2020 um 14,6 Prozent, sagte der geschäftsführende Gesellschafter René Wilfer am Dienstag am Firmensitz in Sonneberg. 

Ein deutlich höherer Absatz von Gleisen für die kleinen Bahnen, die ihren großen Vorbildern detailgetreu nachempfunden werden, deute auf viele Erweiterungsprojekte. Es habe aber auch Neueinsteiger in das Hobby mit Loks und Wagen en miniature gegeben. Piko ist nach eigenen Angaben drittgrößter Modellbahnhersteller in Kontinentaleuropa.

Die Kombination aus aktiven Modellbahnern, Wieder- und Neueinsteigern begünstigte die Umsätze bei Piko, sagte der Geschäftsführer. Einen deutlichen Corona-Effekt beobachtete Wilfer in den USA mit einem überdurchschnittlichen Umsatzzuwachs von 41 Prozent vor allem mit Gartenbahnen. „Wir haben unter der Corona-Pandemie nicht gelitten.“

Als Corona-Gewinner sieht er seine Firma jedoch nicht. Auch in den beiden Jahren zuvor habe es zweistelliges Wachstum gegeben und „einen ordentlichen Gewinn“. Den Beschäftigten, die teilweise unter schwierigen Bedingungen gearbeitet hätten, sei ein „Corona-Bonus“ gezahlt worden, sagte der Firmenchef. Er gibt traditionell keine Umsatz- und Gewinnzahlen bekannt, nur Wachstumsraten.

Die meisten Angestellten arbeiten in China

Piko beschäftigt laut Wilfer derzeit etwa 620 Mitarbeiter, darunter 170 am Thüringer Firmensitz und 410 in China. Im vergangenen Jahr sei aus den eigenen Erträgen viel investiert worden – in eine Solaranlage, aber auch in neue Maschinen.

Angesichts von mehr als 400 Neuheiten, darunter Dampf- und Dieselloks, rechnet der Firmenchef auch 2021 mit einem wirtschaftlich guten Jahr für Piko - erneut ohne Kurzarbeit. „Wir sind gut ausgelastet.“ Die größte Kundengruppe seien Männer im Alter ab 30 Jahren.

Bei der Geschäftsprognose zeigte sich Wilfer zurückhaltend. Er rechne mit einem Umsatzzuwachs von mindesten 4,5 Prozent - im Hauptmarkt Deutschland mit 6,0 Prozent, im Export nur mit zwei Prozent.

Ausfall der Messen könnte das Auslandsgeschäft bremsen

Auch da spiele die Corona-Pandemie eine Rolle: Die Spielwarenmesse in Nürnberg falle aus. „Das ist vor allem für das Auslandsgeschäft ein Manko, weil wir unsere Neuheiten nicht vorstellen können.“ Zudem hoffe er, dass es nach dem diesjährigen Neujahrsfest in China keine Probleme gebe, weil Mitarbeiter nicht an den Produktionsstandort zurückreisen könnten. Auf 2022 verlegt worden sei der Tag der offenen Tür, zu dem traditionell 12.000 bis 16.000 Besucher kämen.

Die Fertigung von Loks und Wagen im Kleinformat hat eine mehr als 60-jährige Tradition in der Spielzeugstadt Sonneberg. Dort ist jetzt vor allem die Produktion der Spurweite G – der sogenannten Gartenbahnen – konzentriert. Die kleineren Spuren wie HO oder TT fertigt Piko nach eigenen Angaben in seinem chinesischen Werk. Das Thüringer Unternehmen hat mehrere Vertriebsniederlassungen im Ausland, darunter in den USA, Russland und den Niederlanden. Mit Märklin hat Piko einen direkten Wettbewerber in Deutschland.