Die konkrete Erfassung von Zahlen zu Genitalverstümmelungen in Deutschland ist wohl derzeit nicht möglich, da diese offenbar weltweit während der Pandemie rasant gestiegen sind. Wie die feministische Frauenzeitschrift Emma berichtet, wird sonst wie in den Vorjahren, am 6. Februar keine Dunkelzifferstatistik von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TDF) veröffentlicht. „Durch Corona ist die Zahl der Mädchen, die weltweit genital durch Rasierklingen und Glasscherben verstümmelt werden, explodiert“, heißt es in dem Bericht.

2020 lag laut TDF die Zahl der Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben und verstümmelt sind, bei rund 70.000. Unterdessen hat das brandenburgische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass in Brandenburg Ärzte und medizinisches Personal künftig noch besser über Genitalverstümmelungen von Frauen und Mädchen und den Umgang damit informiert werden sollen.

Ministerium: Psychische Auswirkungen nicht selten lebenslang

Grundlage sei ein Leitfaden für Hebammen, der bereits im vergangenen Jahr zu diesem Thema erarbeitet wurde, so das Gesundheitsministerium am Samstag. Der Ratgeber vermittelt demnach Grundlagenwissen und praktische Empfehlungen für Geburtshelferinnen. Auch eine Übersicht für Hilfsangebote sei erarbeitet worden, hieß es zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung am Sonntag (6.2.).

Genitalverstümmelung präge das Leben der betroffenen Frauen und Mädchen lange über die traumatische und schmerzhafte Erfahrung hinaus, erläuterte das Ministerium. Folgen könnten physische Beschwerden, Infektionen und Komplikationen bei Geburten sein. Die psychologischen Auswirkungen bestimmten nicht selten das ganze Leben.

Integrationsbeauftragte: Genitalverstümmelung ist Tabuthema

Die Integrationsbeauftragte des Landes, Doris Lemmermeier, wies darauf hin, dass weibliche Genitalverstümmelung in Brandenburg noch ein Tabuthema sei. Um dies zu ändern, seien Angebote zur Weiterbildung und Sensibilisierung zu diesem Thema entscheidend. Bei der Erarbeitung des Leitfadens für Hebammen seien auch Lücken deutlich geworden, berichtete die Landesgleichstellungsbeauftragte, Manuela Dörnenburg. In der Fläche fehle es oft noch an Angeboten. Betroffene Frauen und Mädchen lebten nicht nur in Städten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in Brandenburg noch keine validen Daten darüber, wie viele Frauen und Mädchen diesen Eingriff über sich ergehen lassen mussten und wie viele gefährdet sind. Viele Eingriffe finden dem Ministerium zufolge in den Herkunftsländern von Menschen mit Migrationshintergrund statt. Ein Schutzbrief der Bundesregierung solle darüber informieren, dass solch ein Eingriff hierzulande strafbar sei. (mit dpa)