Erfurt/Weimar - Die Staatsanwaltschaft Erfurt in Thüringen bekommt Drohbriefe. Der Grund sind ihre Ermittlungen gegen einen Weimarer Richter, der die Corona-Schutzvorgaben für zwei Schüler aufgehoben hatte. Bedrohliche Briefe gingen offenbar auch bei mehreren Rechtsanwälten, bei der Thüringer Anwaltskammer und der Bundesanwaltskammer ein. Diese Adressaten werden in den Schreiben dazu aufgerufen, „Widerstand gegen das Ermittlungsverfahren“ gegen den Richter zu leisten.  

Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt wegen des Verdachts der Rechtsbeugung gegen den Familienrichter aus Weimar. Der Jurist hatte die Maskenpflicht und weitere Corona-Beschränkungen an zwei Weimarer Schulen wegen Kindeswohlgefährdung als rechtswidrig bewertet. Er entschied, dass sich die beiden betroffenen Schüler nicht an die Corona-Vorgaben halten müssten. Dies sorgte für scharfe Kritik und Vorwürfe wegen angeblicher Kompetenzüberschreitung. Das Masken-Urteil des Amtsrichters sei „offensichtlich rechtswidrig“, hieß es beispielsweise vom Verwaltungsgericht Weimar. 

Anwaltskammern stellen sich auf die Seite der bedrohten Juristen

Doch offenbar stößt der Richter mit seiner Corona-Entscheidung auch auf Zustimmung in der Bevölkerung – und insbesondere bei Gegnern der Pandemie-Maßnahmen. Man darf vermuten, dass sogenannte Corona-Kritiker hinter den Drohbriefen stecken, die nun unter anderem bei der Staatsanwaltschaft Erfurt eingingen.

Die Rechtsanwaltskammer Thüringen äußerte sich gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zu den Schreiben: „Es kann nicht angehen, dass Staatsanwälte um ihre Sicherheit fürchten müssen, nur weil sie Ermittlungen aufnehmen.“ Ähnlich äußerte sich die Bundesrechtsanwaltskammer gegenüber dem Sender.