Viele Deutsche sparen sich wegen der hohen Inflation die Biolebensmittel. Bioläden und Biosupermärkte verkauften in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich weniger Ware als im Vorjahreszeitraum, wie der Bundesverband Naturkost Naturwaren der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. Im Schnitt lagen die Tagesumsätze demnach im Januar knapp zehn Prozent niedriger, im März schon mehr als 18 Prozent. Ähnlich sei die Tendenz im Biogroßhandel. Zahlen zur verkauften Menge lagen nicht vor.

Verbandsgeschäftsführerin Kathrin Jäckel zufolge achten Verbraucherinnen und Verbraucher unter dem Eindruck von Inflation und Ukraine-Krieg sowie steigenden Kosten bei Energie, Mobilität und Alltagsversorgung derzeit verstärkt auf den Preis. Das jahrelange Wachstum der meist kostspieligeren Bioware hatte sich in der Corona-Krise noch beschleunigt, weil Menschen mehr zu Hause und weniger in Kantinen und Restaurants aßen. Nun hat die Inflation den Trend gedreht.

Naturkost-Verband: „Die Klimakrise macht aber auch jetzt keine Pause“

Werde anhaltend weniger bio gekauft, sei das Regierungsziel in Gefahr, den Bioanteil bis 2030 auf 30 Prozent zu steigern, warnte Jäckel. Derzeit macht bio etwa zehn Prozent der Anbaufläche aus. „Die Klimakrise macht aber auch jetzt keine Pause“, sagte Jäckel. Sie forderte, die Mehrwertsteuer für Biolebensmittel und Naturwaren zu streichen, insbesondere bei Obst und Gemüse. Bei Milch- und Fleischprodukten solle die Steuer niedriger sein als bei konventionell erzeugten Produkten.

Das Marktforschungsunternehmen GfK relativierte allerdings in einer aktuellen Studie die Umsatzeinbußen im Biobereich. Zwar sei das Geschäft mit Bioprodukten im ersten Quartal rückläufig gewesen, doch seien die Umsatzeinbußen im Biobereich geringer ausgefallen als bei den Konsumgütern insgesamt. „Daher lässt sich durchaus behaupten, das Bio weiter relativ im Trend ist“, betonten die Marktforscher.

Die Kunden greifen demnach beim Kauf von Bioprodukten angesichts der aktuellen Preissteigerung vermehrt zu den Eigenmarken der Handelsketten und lassen die teureren Produkte der Markenhersteller links liegen. Die Bioeigenmarken der Händler erzielten laut GfK in den ersten drei Monaten ein Umsatzplus von gut neun Prozent. Die Biomarkenhersteller büßten dagegen elf Prozent an Umsatz ein.