Potsdam - Die Folgen des Corona-Lockdowns belasten zunehmend die Studenten an den Brandenburger Hochschulen. Diese nehmen deshalb viele psychologische Hilfsangebote verstärkt in Anspruch, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „In der Corona-Pandemie zeigt sich bei den Studierenden zunehmend das Fehlen sozialer Kontakte als Problem“, sagte die Sprecherin des Studentenwerks Potsdam, Josephine Kujau.

Das Studentenwerk bietet seit 25 Jahren eine psychosoziale Beratung für Studenten der Universität Potsdam, der Fachhochschule Potsdam, der Filmuniversität Babelsberg, der Technischen Hochschule Wildau, der Technischen Hochschule Brandenburg und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam an.

Hinzu kämen veränderte Arbeits- und Lernbedingungen und der Wegfall von äußeren Strukturen im Alltag, sagte die Sprecherin. „Was sonst hilft oder für Ausgleich sorgt, ist nur eingeschränkt möglich.“ Viele Studenten reagierten mit Anspannung, depressiver Stimmung und Ängsten. Bei vielen Studenten gebe es zudem ganz konkrete finanzielle Sorgen – beispielsweise durch Verlust des Nebenjobs oder ein geringeres Einkommen der Eltern, die sie finanziell unterstützen. „Auch die Unsicherheit darüber, wie es in den kommenden Semestern weitergeht, und die damit einhergehende fehlende Planbarkeit wird als belastend empfunden“, sagt Kujau.

Vorhandene Ängste und Depressionen verstärken sich

„Der deutlichste Effekt, den ich feststellen kann, ist, dass sich bereits vorhandene Probleme verstärken, insbesondere Ängste und depressive Zustände“, sagte Marianne Tatschner, die die psychologische Beratungsstelle an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) betreut. Was vorher vielleicht noch gehandhabt werden konnte, überfordere die Studenten nun. Auch falle es vielen schwer, sich selbst zu strukturieren, wo äußere Strukturen wegfielen oder deutlich reduziert seien.

Seit über 25 Jahren bietet das Studentenwerk Frankfurt (Oder) an den Hochschulstandorten in Cottbus und Eberswalde eine psychologische Beratung an. „Der Bedarf ist in den über 20 Jahren moderat angestiegen und hat sich auf rund 130 Gespräche pro Jahr eingepegelt“, erklärte Studentenwerkssprecher Andreas Gaber. Dieser Konstante stünden allerdings gesunkene Studierendenzahlen gegenüber. Im vergangenen Jahr habe es 134 Gespräche mit 80 Studenten gegeben. Die häufigsten Themen seien Identitäts- und Selbstwertprobleme, Ängste und depressive Verstimmungen sowie Stressbewältigung und Erschöpfung. „Momentan finden die Sprechstunden ausschließlich telefonisch statt“, sagte der Sprecher.

Beratungen per Telefon oder Video haben innerhalb des vergangenen Jahres an Bedeutung gewonnen, weil Gespräche vor Ort teilweise nicht mehr möglich waren. „Bei uns selbst hat die Pandemie zunächst unsere etablierten Beratungskanäle unterbrochen“, sagte Jonas Neubert, Studienberater an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). „Der Wechsel zur Videoberatung war insbesondere zu Beginn der Pandemie eine große Herausforderung für alle Beteiligten.“

Der Beratungsbedarf hat sich nach seiner Wahrnehmung erhöht. „Dabei geht es zum Teil einfach nur um ein Mehr von Problemen wie depressive Stimmungslagen oder Aufschiebeverhalten“, so Jonas Neubert. Als besondere Gruppe seien die internationalen Studierenden hervorzuheben, da hier die soziale Einbindung wegen der hauptsächlich digitalen Kommunikationswege längerfristig nur sehr reduziert sei und Vereinsamung noch häufiger auftrete.

Karl Haller, der die psychologische Beratung an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) in Neuruppin betreut, sieht die Studienanfänger als die Gruppe, die sich mit Einschränkungen und digitalen Herausforderungen besonders schwertue. Auch dort werden digitale Einzelgespräche über eine Videoplattform angeboten.