Hannover - Amazon will einem Medienbericht zufolge gegen eine Entscheidung der niedersächsischen Datenschutzbeauftragten klagen, der zufolge der Konzern an seinem Standort in Winsen (Niedersachsen) eine Software zur Mitarbeiterüberwachung nicht mehr einsetzen darf. Das ARD-Magazin „Panorama“ hatte im Oktober über das Programm berichtet.

Die Landesdatenschutzbeauftragte teilte dem Fernsehmagazin nun mit, man habe Amazon untersagt,„ununterbrochen jeweils aktuelle und minutengenaue Quantitäts- und Qualitätsleistungsdaten ihrer Beschäftigten zu erheben und diese zu nutzen“. Den Angaben zufolge steht in Winsen eines der europaweit modernsten Werke des Konzerns.

Amazon: Streiks in NRW und Hessen

Die Gewerkschaft Verdi setzt unterdessen ihre Streiks an den Amazon-Standorten in Rheinberg, Werne und Bad Hersfeld fort. Sie sollen bis zum Ende der Spätschicht in den jeweiligen Werken am Dienstag enden. Die Aktionen richten sich der Gewerkschaft zufolge gegen die Weigerung des US-Unternehmens, die Tarifverträge des deutschen Einzelhandels zu unterzeichnen und einen Tarifvertrag abzuschließen. Amazon teilte mit, die Streiks hätten keine Auswirkungen auf Kundenlieferungen.

Die Streiks hatten bereits mit Beginn der Nachtschicht am Donnerstag begonnen - zum Black Friday genannten Schnäppchentag - und dauerten zunächst bis Samstag. An den zwei Standorten in Bad Hersfeld seien in der vergangenen Woche mehr als 500 Beschäftigte dem Streikaufruf von Verdi gefolgt, sagte Streikleiterin Mechthild Middeke - „obwohl Überstunden mit extra Zuschlägen angesagt sind und viel Druck durch Vorgesetzte gemacht wird“.

Streikleiterin appelliert an Verbraucher

Middeke rief Kunden auf zu bedenken, dass ihre Schnäppchenjagd „mit schlechten Arbeitsbedingungen und unfairer, weil nicht tariflicher Entlohnung erkauft“ werde. Amazon habe gegenüber anderen Handelsunternehmen dadurch Wettbewerbsvorteile. Die Bezirksfachbereichsleiterin für den Handel bei Verdi in NRW, Silke Zimmer, kritisierte, die Sonderbelastung der Beschäftigten bereits zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts werde „leider nach wie vor nicht angemessen bezahlt“.

Amazon biete „lediglich Bonuszahlungen in Höhe von zwei Euro pro Stunde“, so Zimmer - und zwar erst ab dem 9. Dezember. Diese sollen demnach zudem nur ausgezahlt werden, wenn die Beschäftigten nicht krank werden. Zimmermann nannte eine solche „Anwesenheitsprämie“ in Pandemiezeiten „völlig deplatziert“. Der Konzern teilte mit, der allergrößte Teil der Mitarbeiter arbeite „ganz normal“. Das Unternehmen biete „ein Umfeld, in dem man gerne arbeitet, sich einbringen und erfolgreich sein kann“. Beschäftigte würden von „exzellenten Löhne, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen“ profitieren, so Amazon.