Lanzhou/Peking - China geht im Kampf gegen eine neue Corona-Welle rigoros vor und hat die gesamte Millionenstadt Lanzhou unter Quarantäne gestellt. Die vier Millionen Einwohner der Stadt im Nordwesten des Landes dürfen ihre Wohnungen nur noch in Notfällen verlassen, wie die Stadtverwaltung am Dienstag erklärte. Zuletzt waren landesweit 29 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden, sechs davon in Lanzhou.

Die Einwohner der Hauptstadt der Provinz Gansu dürfen ihre Wohnhäuser nur noch verlassen, um lebenswichtige Güter zu besorgen oder zum Arzt zu gehen. Bus- und Taxiservice sind eingestellt, dutzende Zugverbindungen wurden gestrichen. Auch Flüge nach Lanzhou wurden annulliert.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden könnten die Infektionszahlen noch steigen, da in den kommenden Tagen die Bevölkerung verstärkt getestet wird. Der lokale Ausbruch wird mit einer Gruppe von einheimischen Touristen in Verbindung gebracht, die von Shanghai in mehrere andere Provinzen gereist war.

Fehler bei Seuchenprävention: China feuert Parteifunktionäre

Zehntausende Menschen in Nordchina sind bereits von Ausgangssperren betroffen. Wegen Fehlern bei der Seuchenprävention wurden mehrere Parteifunktionäre und Behördenvertreter in der Region entlassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Seit dem 17. Oktober wurden in China insgesamt 198 Ansteckungen mit dem Coronavirus registriert, davon 39 in Lanzhou.

Die Hauptstadt Peking meldete am Dienstag drei neue Fälle - gut hundert Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele. Bereits am Vortag waren neue Corona-Beschränkungen verhängt worden. Die Bewohner Pekings wurden aufgefordert, die Stadt nur noch in dringenden Fällen zu verlassen und auf größere Menschenansammlungen zu verzichten. Der für kommenden Sonntag geplante Marathon in Peking wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Mehrere Wohnkomplexe wurden abgeriegelt.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Zahl der landesweit registrieren Fälle zwar extrem niedrig. Die chinesische Regierung verfolgt aber seit Beginn der Pandemie eine strikte Null-Covid-Strategie, die Behörden reagieren mit Massentests und gezielten Lockdowns auf neue Infektionsfälle. Vor den Olympischen Winterspielen, die am 4. Februar beginnen, soll ein größerer Corona-Ausbruch im Land unbedingt verhindert werden.