Berlin - Der öffentlich-rechtliche Sender NDR2 hat mit einem Post zum Weltvegantag eine Welle der Empörung und viele Diskussionen ausgelöst. Der Bauernverband Schleswig-Holstein wirft dem Sender Einseitigkeit vor. Er rät den Journalisten zu einer ausgewogenen Berichterstattung. Dies sei „gesünder für die Meinungsbildung“, heißt es in einem Statement des Bauernverbandes. Auf dem Bild, das die Gemüter erhitzt, stellen die Journalisten unter dem Schlagwort „Essgewohnheiten“ mehrere Antworten zur Auswahl. Die Option „Ich esse häufig Fleisch“ wird dabei mit einem Empörungs-Emoji versehen. Die mögliche Antwort „Ich esse wenig Fleisch“ wird mit einem auslachenden, gehässigen Emoji versehen. Der Antwort „Ich esse vegan“ hingegen bekommt ein Herz.

Dazu schreibt der Bauernverband: „Lieber NDR. Eine Berichterstattung sollte ausgewogen sein, alle Seiten beleuchten, die eigene Meinung sollte zurückstehen oder deutlich gekennzeichnet werden.“ Das ist in dem vorliegenden Fall nach Ansicht des Bauernverbandes nicht der Fall. In dem Statement heißt es weiter: „In diesem Fall könnte man den Eindruck bekommen, dass ihr als Redaktion gewisse Essgewohnheiten in ein besseres Licht rücken wollt. Das wäre schade, denn wir haben wirklich was zu bieten, mit unserer Landwirtschaft!“ Der Beitrag endet mit dem Satz:  „Wir raten euch zu einer ausgewogenen Berichterstattung. Das ist gesünder für die Meinungsbildung!“

Wenig später reagiert der NDR und rudert teilweise zurück. In der Antwort des Senders heißt es: „Lieber Bauernverband Schleswig-Holstein, wir bedauern, wenn ihr durch die Grafik den Eindruck gewonnen habt, dass unsere Herzen nur denen gehören, die sich vegan ernähren. Dem ist nicht so. Auch in unserer Redaktion essen viele gerne Fleisch. Und Gemüse. Und Obst. Alles kommt von euch.“

Dann versuchen sich die Verantwortlichen in einer Erklärung. Sie schreiben: „Am Weltvegantag und vor dem Hintergrund des Klimagipfels wollten wir wissen, wie sich unsere Userinnen und User ernähren und auf humorvolle Art verdeutlichen, dass einige Produkte eine bessere Umweltbilanz haben als andere. Deshalb haben wir auch einen Artikel der Kollegen vom BR verlinkt, in dem das erklärt wird.“ Zudem räumen sie ein, möglicherweise einen Fehler gemacht zu haben: „Wir geben zu: Tafel und Teaser haben unser Ansinnen nicht so gut transportiert und können als einseitig ausgelegt werden.“ Aber: „Immerhin aber haben sie zu regen Diskussionen über eine gesunde und umweltbewusste Ernährung geführt. Ein Ziel, das wir alle teilen.“

So reagiert das Netz auf die Diskussion

Die Reaktionen auf die Diskussion sind gespalten. So schreibt eine Userin: „Was ist daran so schwer zu kapieren? Veganismus wird nun mal am besten vom Herz-Symbol repräsentiert, da Meatflakes nun mal recht wenig Herz für Tiere oder die Umwelt haben. Da muss man schon ehrlich dazu stehen.“ Eine andere Frau greift den NDR für seine Reaktion an: „NDR 2 ihr buckelt jetzt tatsächlich vor der dauerheulenden Agrarunternehmerlobby?“

Auf der anderen Seite heißt es von einem User: „Also ich hatte auch ein komisches Gefühl als ich die Icons sah. Mein erster Gedanke, das hat ein Veganer kreiert. Also Bauernverband SH, ich teile den sehr sachlich und freundlich formulierten Hinweis.“ Und an anderer Stelle: „Vegane Ersatzprodukte, die momentan überall gehypt werden, sind hochindustriell gefertigt und daher weder gesund noch haben sie eine gute Umweltbilanz. Das sollte man bei den schwarz-weiß Diskussionen auch im Auge haben. Soll doch jeder die Freiheit haben, selbst entscheiden zu können!“