Berlin - Beim Ampelsystem des Berliner Senats könnte angesichts der Debatte um die Aussagekraft der Corona-Inzidenz im Zuge der Impfkampagne eine Anpassung der Grenzwerte bevorstehen. Man sei mit Bund, Ländern und Fachleuten zu dem Thema im Austausch, sagte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung auf Anfrage. Nach bisheriger Definition zeigt die Corona-Ampel ab 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen Gelb an – ab 30 Rot. Auf die 30-Marke steuert Berlin zu, am Dienstag lag der Wert nach längerem Anstieg bei 24,8.

Das Warnsystem des Senats, das im Online-Lagebericht angezeigt wird, berücksichtigt insgesamt drei Indikatoren: Sieben-Tage-Inzidenz, Intensivstationen und Wochentrend der Inzidenz. Wie der Senat bei Einführung des Frühwarnsystems angekündigt hatte, bedeutet zweimal Gelb, dass die Problematik erörtert werden sollte, bei Doppel-Rot bestehe dringender Handlungsbedarf. Im Lagebericht von Dienstag zeigte die Ampel zweimal Gelb, einmal Grün.

Fachleute weisen darauf hin, dass sich mit der Impfkampagne die Aussagekraft der Inzidenz verändere, weil die Krankheitsschwere verringert werde. Bisher galt sie als Wert, mit dem frühzeitig die später folgende Krankenhausbelastung abgeschätzt werden konnte. Im Bund war die Inzidenz Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni auslaufenden Bundesnotbremse. Künftig sollen auch bundesweit weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. Mit dem Ampelsystem sei Berlin insofern schon weiter gewesen, hieß es aus der Gesundheitsverwaltung.

Berliner Corona-Ampel-Werte

In der Hauptstadt steckten sich derzeit vor allem jüngere Menschen an: In Friedrichshain-Kreuzberg etwa liegt die Inzidenz bei 20- bis 24-Jährigen bei über 180, die Auslastung der Intensivstationen hingegen ist bislang gering. Bereits vergangene Woche hatte es bei der Corona-Ampel eine Veränderung gegeben: Die schwankungsanfällige Reproduktionszahl (R-Wert) ist nun nicht mehr Teil davon, sie wurde durch die Prozentangabe zum Wochentrend der Sieben-Tage-Inzidenz abgelöst.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich zum Thema Inzidenz darauf verwiesen, dass derzeit 75 Prozent der über 60-Jährigen vollständig geimpft seien, ein Viertel nicht. „Wenn Sie die Maßzahl nehmen, können sie sagen: 200 ist das neue 50.“