Berlin - Der Vorsitzende des Weltärzte-Bundes, Frank Ulrich Montgomery, hat den Hausärzten angesichts der Aufhebung der Impfpriorisierung Überforderung attestiert. Er plädierte im Deutschlandfunk für eine gemeinsame Suche nach Lösungen. Das Problem sei nicht die Priorisierung, sondern die Knappheit der Corona-Impfstoffe in Deutschland.

Zuvor hatten die Hausärzte eine Aufhebung der Priorisierung selbst gefordert, die es in den ersten Bundesländern schon gibt. Bundesweit wurde diese zum 7. Juni von Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt. Nun würden die Praxen von Anfragen der Bürger überrollt, so Montgomery weiter. Die Politik hätte sich vor einem solchen Schritt jedoch mit den Ärzten zusammensetzen müssen, um einen gemeinsamen Fahrplan zu entwickeln. Nun sei es an den Patienten, die Arztpraxen nicht mit Anrufen zu überrollen.

Montgomery: Der Rest der Welt lächle über Deutschland

Montgomery sprach sich gegenüber dem Sender jedoch nicht grundsätzlich gegen die Aufhebung der Priorisierung aus. Weil einige Menschen aus den priorisierten Gruppen die Corona-Impfung ablehnen, könne der Rest nicht weiter auf ihre Impfung warten.

Kritik äußerte Montgomery außerdem an der in Deutschland nur langsam voranschreitenden Digitalisierung von Impfnachweisen. Der Rest der Welt lächle über Deutschland, sagte Montgomery. Anstatt über den Missbrauch der digitalen Instrumente zu diskutieren, seien Überlegungen über ihren sinnvollen Gebrauch nötig.