Berlin - Nach der Ständigen Impfkommission (Stiko) hat sich auch Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery gegen eine Impfempfehlung für Kinder ausgesprochen. Es gebe „noch zu wenig Daten, die Aussagen über das Risiko der Corona-Impfung bei Kindern zulassen“. Zugleich sei bekannt, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen oder Betagten. Von daher habe „die Stiko recht, wenn sie angesichts dieser beiden Fakten bisher keine Impfung bei Kindern empfiehlt“, sagte Montgomery am Mittwoch.

Die Studienlage könne am Ende zudem auch ergeben, dass „das Risiko der Impfung von Kindern größer ist als das der Erkrankung in dieser Altersgruppe“, sagte Montgomery der Funke-Mediengruppe. Und weiter: „Dann wird man sogar von der Impfung abraten müssen.“ Der Impfschutz in allen anderen Altersgruppen hingegen müsse verbessert werden.

Stiko: „Wir arbeiten nicht auf Zuruf des Ministeriums“

Ein Mitglied der Ständigen Impfkommission hatte sich zuvor skeptisch zu möglichen Massenimpfungen von Kindern und Jugendlichen geäußert. Eine allgemeine Impfempfehlung der Stiko für Kinder und Jugendliche halte er für unwahrscheinlich, sagte Kommissionsmitglied Rüdiger von Kries dem RBB. Grund dafür sei das unklare Risiko einer Corona-Impfung bei Kindern.

„Die Stiko ist ein autonomes Organ, wir arbeiten nicht auf Zuruf des Ministeriums, wir treffen unsere Entscheidungen nach Bewertungen der Risiken und des Nutzens“, sagte von Kries. Aktuell sei „nichts“ über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern bekannt. Und weiter: „Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“

Zudem dürfe Herdenimmunität nicht das primäre Ziel für Impfungen von Kindern sein. Von Kries: „Kinderimpfungen macht man, damit die Kinder davon profitieren können, damit den Kindern schwere Krankheiten erspart bleiben.“

Sind Impfstoffe für Kinder in Europa zugelassen?

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hält ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche hingegen für richtig. Das „stärkste Argument, Zwölf- bis 15-Jährige zu impfen, ist einfach, dass sie auch selbst natürlich einen Schutz haben möchten“, sagte Buyx am Mittwoch dem Sender NDR Info.  

„Dann kommen Gruppenschutz-Gründe – dass die Schule sicherer wird – hinzu“, sagte Buyx. Sie verwies auch darauf, dass die Jugendlichen in der Corona-Pandemie hohen Belastungen ausgesetzt seien. Daher habe sie sehr viel Sympathie für Vorschläge, die jetzt die junge Generation in den Blick nähmen. Da in Europa Impfstoffe für Kinder und Jugendliche noch gar nicht zugelassen seien, rede man aber „ohnehin gar nicht so sehr davon, dass am Tag, nachdem die Priorisierung fällt, jetzt auf einmal Jugendliche geimpft würden“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich für eine Einbeziehung von Jugendlichen in die Impfkampagne unabhängig von der fehlenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ausgesprochen. Eine Impfung von Kindern als Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht lehnt Spahn aber ab.

Spahn: Keine verpflichtende Impfung für den Schulbesuch

„Ich sehe nicht, dass wir eine verpflichtende Impfung haben werden für den Schulbesuch“, sagte Spahn dem Sender RTL. Zuvor hatte der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte vor einer möglichen „Impfpflicht durch die Hintertür“ gewarnt. „Der Schulbesuch darf nicht an eine Corona-Impfung geknüpft werden“, sagte Verbandssprecher Axel Geschlauer der Rheinischen Post.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer für die Altersgruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen. Bislang ist das Vakzin für Menschen ab 16 zugelassen.