Las Vegas - Glamour-Girl Diana Ross war die Berühmtere im Soul-Trio The Supremes – doch Mary Wilson galt als Herz und Seele der weltweit erfolgreichen US-Vokalgruppe. Und als deren Konstante: Wilson blieb den Supremes als einzige Sängerin vom Anfang der 60er bis zur Auflösung 1977 treu. Für immer im Ohr sind aus dieser Zeit Superhits wie „You Can’t Hurry Love“, „Stop! In The Name Of Love“, „You Keep Me Hangin’ On“ oder der ergreifende Goodbye-Song „Someday We’ll Be Together“. 

Im Jahr 1959 gründete die in Greenville, Mississippi, geborene Wilson mit Ross und Florence Ballard zunächst die Gruppe The Primettes – da war sie gerade mal 15 Jahre alt. Wenig später benannten sie sich in The Supremes um und hatte mit „Your Heart Belongs To Me“ 1962 einen ersten Erfolg. Dass die nur wenige Tage jüngere Ross bald Leadsängerin und Star des Trios wurde, war eine strategische Entscheidung des mächtigen Motown-Bosses.

„Mr. Gordy sagte: Ich will nur eine von euch nach vorn stellen, das macht es leichter für die Leute“, erzählte Wilson vor einigen Jahren dem Las Vegas Magazine. „Wir verstanden das. Wir wollten nur berühmt sein, also waren wir total happy.“ Als schwarzer Mensch habe man damals in den USA „doch gar nicht davon träumen können, ein Star zu sein“, sagte sie in einem Fernsehinterview später. 

Fast so viele Hits wie die Beatles

Für Gordys Detroiter Plattenfirma, die eingängige afroamerikanische Popmusik in die Charts brachte, schafften The Supremes zwischen 1964 und 1969 zwölf Nummer-eins-Hits in den USA – fast so viele wie die Beatles. Damit wurde das Trio bis heute eine der wichtigsten Girlgroups der Soulmusik und ein weibliches Aushängeschild von Motown.

1970 verließ dann Diana Ross das Trio für eine Solokarriere, Wilson machte noch einige Jahre in wechselnden Supremes-Besetzungen weiter, heiratete und bekam drei Kinder. 1979 versuchte sie es sogar mit einem Solowerk – in die „Rock and Roll Hall of Fame“ kam sie jedoch als Gründungsmitglied der Supremes. In ihrem Erinnerungsbuch „Dreamgirl, My Life as a Supreme“ setzte sie sich kritisch mit dieser Zeit auseinander. Ein wenig positiver schilderte sie ihre Geschichte in dem 2019 erschienen Modeband „Supreme Glamour“. Mit noch 75 nahm die stets stilvoll auftretende Künstlerin an der ABC-Tanz-Castingshow „Dancing With The Stars“ teil – umso überraschender kam nun die Todesnachricht. 

Wie US-Medien unter Berufung auf ihren langjährigen PR-Agenten und Freund Jay Schwartz meldeten, starb die Musikerin am Montag völlig unerwartet in ihrem Zuhause in Las Vegas. Die Todesursache war den Berichten zufolge am Dienstag noch nicht offiziell bekannt. So schnell, wie Mary Wilson als Star aufgestiegen ist, scheint das Herz und die Seele der Supremes nun Abschied genommen zu haben.