München - Für DFB-Ehrenspielführer Philipp Lahm ist es unverständlich, dass Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich von Bayern München bisher auf eine Corona-Impfung verzichtet. „Ich lese relativ viel, und da informiere ich mich eben. Und ich habe nicht so viele gelesen, die gesagt haben: Impfen ist schlecht“, sagte Lahm bei einer Diskussionsveranstaltung der Süddeutschen Zeitung in München. Als Fußball-Profi habe man eine „Vorbildfunktion“ und sei „Multiplikator“.

Auf die Frage, ob er als Kapitän des FC Bayern oder des DFB-Teams auf einen ungeimpften Mitspieler zugegangen wäre, antwortete Lahm (37): „Ja. Ich glaube, das wäre auch meine Aufgabe gewesen, mit ihm zu reden, ihn davon zu überzeugen.“

Über den Impfstatus von Kimmich ist eine Debatte entbrannt, nachdem der 26-Jährige am Samstag bestätigt hatte, noch nicht geimpft zu sein. Er habe Bedenken wegen möglicher Langzeitfolgen, sagte Kimmich. „Die Meinung kann man ja haben“, so Lahm. Für ihn stelle sich aber die Frage: „Wie kommt er zu der Meinung?“

FC Bayern empfiehlt Corona-Impfung für Profis

Ähnlich äußerte sich Oliver Kahn. „Wir sind mit Joshua immer im Kontakt, er kennt die Haltung des FC Bayern. Wir könne nur unseren Spielern empfehlen, sich impfen zu lassen. Es ist unsere absolute Überzeugung, dass unsere Spieler geimpft sein müssen“, sagte der Münchner Vorstandschef am Abend in der ARD und fügte an: „Man muss auch die Kirche im Dorf lassen. Es gibt eine Art von Respekt, die man haben muss, dass er eine andere Meinung hat.“

Lahm, Weltmeister von 2014 und Turnierdirektor für die Euro 2024 in Deutschland, ging bei der SZ-Veranstaltung im Residenztheater auch auf die Kritik an WM-Gastgeber Katar ein. „Fußball ist Teil der Gesellschaft. Ich würde mir von der Regierung eine Haltung wünschen zum Thema WM in Katar. Man kann den Druck nicht nur auf die Spieler legen“, sagte er.

In seiner Zeit als Kapitän des FC Bayern habe er das Gespräch mit der Klubführung gesucht, als es auch in der Mannschaft Debatten gegeben habe, ob es wegen der Menschenrechtslage richtig sei, Trainingslager in Katar abzuhalten. Am Ende allerdings ergebnislos. Der FC Bayern steht wegen seiner Verbindung nach Katar sogar bei den eigenen Fans in der Kritik.