Die Flagge der Nato
Foto: dpa/Daniel Naupold

RamsteinDie Mitgliedsstaaten der NATO wollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Süddeutschen Zeitung ein sogenanntes Space Center in Rheinland-Pfalz aufbauen. Demnach kündigen die Verteidigungsminister der 30 Länder am Donnerstag an, dass es dem Luftwaffenoberkommando des Militärbündnisses in Ramstein angegliedert werden und vor allem als Koordinationsstelle für die Weltraumüberwachung dienen soll.

So könnten in Ramstein künftig Informationen über mögliche Bedrohungen gegen Satelliten zusammenfließen. Denkbar sei auch, dass das Space Center später zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut werde. Demnach soll zudem eine Art Kompetenzzentrum für die Weltraumaktivitäten der Nato entstehen.

Nato: All ist Operationsgebiet

Als Standort für das Zentrum waren zuletzt Kalkar in Nordrhein-Westfalen und das französische Toulouse in der Diskussion, so die dpa. In Kalkar hat das Kompetenzzentrum für die Nato-Luftstreitkräfte (Joint Air Power Competence Centre - JAPCC) seinen Sitz. In Toulouse wird derzeit ein nationales französisches Raumfahrtkommando aufgebaut.

2019 traf die Nato die Entscheidung, das All zu einem eigenständigen Operationsgebiet zu erklären. Der Beschluss ermöglicht es ihr zum Beispiel, bei Alliierten für Einsätze die Bereitstellung von Kapazitäten für Satellitenkommunikation oder Bilddatentransfers anzufordern. Zudem führte er innerhalb des Bündnisses zu verstärkten Diskussionen darüber, in welchem Fall mögliche Angriffe aus oder im Weltraum als Bündnisfall behandelt werden sollten.

„Die Nato hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben“, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg 2019. Das All sei etwa für Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navigation von entscheidender Bedeutung. Über Satelliten läuft die Kommunikation bei Militäreinsätzen, sie werden zur Aufklärung und Spionage sowie für Navigationssysteme genutzt. 

Hinzu kommt, dass Angriffe auf Satelliten im Fall eines Krieges genutzt werden könnten, um Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen. So könnten zum Beispiel die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs oder Navigationssysteme für den Straßen-, See- und Luftverkehr schwer beeinträchtigt werden. Neben den USA haben zuletzt vor allem Staaten wie Russland, China und Indien ihre Präsenz im Weltraum stark ausgebaut. Russland sorgte mit mehreren Tests von Anti-Satelliten-Waffen für Aufsehen, nachdem Indien bereits im vergangenen Jahr erfolgreich eine Anti-Satelliten-Rakete getestet hatte.

Die deutsche Luftwaffe hat ein Weltraumzentrum in NRW

Ebenfalls 2019 hatten die US-Streitkräfte ihr Space Force genanntes Führungskommando für Einsätze im Weltraum in Betrieb genommen. „Wenn es darum geht, Amerika zu verteidigen, reicht es nicht, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben“, sagte US-Präsident Donald Trump damals. „Wir müssen amerikanische Vorherrschaft im Weltall haben“, so Trump weiter. Er gab an, die Feinde der USA könnten in der Umlaufbahn der Erde mit neuer Technologie Satelliten angreifen, die entscheidend seien „für unsere Einsätze auf dem Schlachtfeld und für unser Leben zu Hause“.

Ein Weltraumzentrum der deutschen Luftwaffe wurde Ende September in Uedem (Nordrhein-Westfalen) in den Dienst gestellt. Das sogenannte Air and Space Operations Centre (ASOC) soll vor allem helfen, Satelliten vor Störungen und Angriffen zu schützen und auch Flugkörper beobachten, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zur Gefahr für besiedelte Gebiete werden könnten. Es beobachtet und katalogisiert dazu Weltraumobjekte und den sogenannten Weltraummüll. Es gehe dabei nicht um Weltraumwaffen, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz.

Der Chef der europäischen Weltraumbehörde (ESA) Jan Wörner warnte am Montag vor einer Aufrüstung im Weltraum. „Ich sehe größere militärische Bewegungen im All skeptisch“, sagte er der dpa. Eine Militarisierung des Weltraums sei kein Fortschritt, schon gar nicht für die Raumfahrt. „Das kann das Vertrauen zerstören, das im All für eine internationale Zusammenarbeit nötig ist“, so Wörner.