Berlin Auf der ganzen Welt sitzen Journalisten aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis. Laut einer Erhebung der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) betrifft dies 387 Männer und Frauen. 

Die Zahl der Inhaftierten konzentriert sich hauptsächlich auf China (117 Inhaftierte), Saudi-Arabien (34), Ägypten (30), Vietnam (28) und Syrien (27). 61 Prozent der Weltweit verhafteten Journalisten sitzt in einem dieser fünf Länder. Weiteren Angaben zufolge gelten 54 Journalisten als vermisst. Vier weitere seien 2020 verschwunden.

42 der derzeit inhaftierten Medienschaffenden weltweit (elf Prozent) sind den Angaben nach Frauen. Das sind 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders viele Journalistinnen (jeweils vier) sitzen in Belarus und im Iran im Gefängnis.

Verhaftungen auch wegen Corona

Mehr als 130 Medienschaffende in allen Teilen der Welt seien seit dem Frühjahr wegen ihrer Berichterstattung zur Corona-Krise willkürlich verhaftet worden, so Reporter ohne Grenzen, „viele nur für Stunden oder wenige Tage, andere für Wochen. Aktuell seien noch mindestens 14 von ihnen im Gefängnis. Regierungen in allen Teilen der Welt würden versuchen, „eine unabhängige Berichterstattung über die Corona-Krise und ihre Folgen zu unterdrücken“. Mehr als 370 meist kürzere Verhaftungen habe es darüber hinaus in Belarus seit der umstrittenen Präsidentenwahl gegeben.

„Die sehr hohe Zahl inhaftierter Journalistinnen und Journalisten weltweit wirft ein grelles Schlaglicht auf die aktuellen Gefahren für die Pressefreiheit“, sagte Katja Gloger, die Vorstandssprecherin der Organisation. Sie teilte mit: „Viel zu viele Regierungen reagieren auf Proteste, Missstände oder eine Krise wie die Covid-19-Pandemie mit Repressalien gegen die Überbringerinnen und Überbringer der schlechten Nachrichten. Hinter jedem einzelnen dieser Fälle steht das Schicksal eines Menschen, dem Strafprozesse, lange Haft und oft Misshandlung drohen, weil er sich Zensur und Repression nicht gebeugt hat.“

Zum Stichtag 1. Dezember saßen dieses Jahr nur zwei Medienschaffende weniger im Gefängnis als zum selben Zeitpunkt 2019, als diese Zahl das dritte Mal in Folge deutlich gestiegen war und mit 389 einen Höchststand erreicht hatte.  Fünf Journalisten drohte zum 1. Dezember akut die Vollstreckung ihrer Todesstrafen: Vier von ihnen sind in der Gewalt von Rebellen im Jemen, der Blogger Ruhollah Zam wurde am Sonnabend im Iran hingerichtet.