New York - Vertreter der USA und Russland haben die Einigung zur Syrien-Hilfe im UN-Sicherheitsrat als wichtiges Zeichen für die Zusammenarbeit beider Länder gepriesen. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja sagte in New York, der Kompromiss am Freitag im mächtigsten UN-Gremium könne ein „Wendepunkt“ für die Beziehungen beider Länder sein.

Die US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield meinte: „Ich sehe auf jeden Fall, dass es ein wichtiger Moment in unserer Beziehung ist. Und es zeigt, was wir mit den Russen erreichen können, wenn wir mit ihnen diplomatisch an gemeinsamen Zielen arbeiten.“ Sie freue sich darauf, mit Moskau weiter an Themen gemeinsamen Interesses zu arbeiten.

Der Sicherheitsrat hatte zuvor nach einer amerikanisch-russischen Einigung einstimmig beschlossen, dass die UN weiter über den Grenzübergang Bab al-Hawa zur Türkei Hilfsgüter in syrische Regionen bringen darf, in denen noch internationale und islamistische Söldner agieren. Der neue Beschluss gilt für ein Jahr.

Hintergrund ist eine seit 2014 bestehende UN-Resolution, die am Samstag ausgelaufen wäre. Die Regelung erlaubt es den Vereinten Nationen, wichtige Hilfsgüter über Grenzübergänge auch in Teile des Bürgerkriegslandes zu bringen, die nicht von der Regierung kontrolliert werden. Russland, das die syrische Führung von Staatschef Baschar al-Assad stützt, hatte in den vergangenen Monaten signalisiert, dass es auch den letzten von einst vier Grenzübergängen – Bab al-Hawa im Nordwesten – schließen möchte. Hauptgrund ist die türkische Invasion im Norden Syriens. Die Türkei liefert über den Übergang Waffen an Söldner in Syrien – ein Vorgehen, das Russland nicht akzeptiert.

Vor der Einigung am Freitag hatten die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates eine geplante Abstimmung über zwei konkurrierende Entwürfe zugunsten weiterer Verhandlungen verschoben. Die Ratsmitglieder Norwegen und Irland hatten einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der den Grenzübergang Bab al-Hawa für zwölf Monate offen halten würde. Moskau hatte einen Gegenentwurf mit einer Laufzeit von nur sechs Monaten eingebracht. Russland hat wie auch China, die USA, Frankreich und Großbritannien ein Vetorecht im mächtigsten UN-Gremium.

Die UN und Hilfsorganisationen hatten vor einer humanitären Katastrophe gewarnt, falls die bestehende Regelung nicht fortgeführt würde. Über zwei Millionen Menschen im Norden und Nordwesten Syriens sind von der Hilfe aus der Türkei abhängig.

Russland hatte argumentiert, dass die Güter stattdessen zuerst in die von der syrischen Führung kontrollierte Hauptstadt Damaskus gebracht und von dort aus in Rebellengebiete geliefert werden sollten.