Weniger Menschen in Berlin überschuldet - aber Trendwende droht

Trotz der dramatischen Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln gibt es weniger überschuldete Menschen in Berlin als vor einem Jahr. Experten befürchten aber, dass sich das in den nächsten Monaten ändert.

Rund 320.000 Berliner sind überschuldet. 
Rund 320.000 Berliner sind überschuldet. dpa/Christin Klose

Berlin-Die Zahl der überschuldeten Menschen in Berlin ist in diesem Jahr trotz der dramatischen Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln erneut gesunken. Auch bundesweit ging die Zahl der Überschuldeten zurück - die positive Entwicklung sei aber trügerisch, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem „Schuldneratlas Deutschland 2022“ mit.

„Die wahren Belastungen werden die anhaltend hohe Inflation und insbesondere die ansteigenden Energiekosten sein, die noch längst nicht vollständig beim Verbraucher angekommen sind“, sagte Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, einer Mitteilung von Dienstag zufolge. Diese Folgen machten sich zeitverzögert und mit Langzeitwirkung bemerkbar. „Wir fürchten in den kommenden Monaten eine Trendwende. Die in der Corona-Krise angehäuften Sparguthaben sind vielfach schon wieder aufgebraucht.“

Rund 320.000 Menschen in Berlin überschuldet

In der Hauptstadt sind Creditreform zufolge rund 320.000 Menschen überschuldet. Die Quote fiel demnach auf 10,47 Prozent, liegt aber weiter deutlich über dem bundesweiten Wert von 8,48 Prozent. Creditreform zufolge sind etwa 5,88 Millionen Menschen in ganz Deutschland überschuldet. Im Ländervergleich liegt Berlin auf Rang 14, Spitzenreiter ist Bayern mit einer Quote von 6,05 Prozent.

Von Überschuldung sprechen Finanzexperten, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über längere Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.