Offenbach/Aurich - Bei dem heftigen Sturm, der für schwere Schäden in der Gemeinde Großheide in Ostfriesland sorgte, hat es sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) um einen Tornado gehandelt. „Aufgrund von Augenzeugen und Videomaterial kann man eindeutig sagen, es war ein Tornado gestern Abend“, sagte der Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Friedrich am Dienstag. Der Wirbelsturm sei als mittelschwerer Tornado der Klasse F2 eingestuft worden, mit geschätzten Drehgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 Stundenkilometern. Der Durchmesser des Tornados habe Schätzungen zufolge zwischen mehreren Dutzend bis zu 100 Metern gelegen.

Der Tornado hatte die Gemeinde Großheide im Kreis Aurich am Montagabend getroffen. Verletzt wurde niemand. Nach Feuerwehr-Angaben wurden rund 50 Gebäude beschädigt. Die Wetterseite Tornadoliste.de etwa hatte den Sturm bereits am Montagabend als Tornado eingestuft. Der DWD werte für die Prüfung Videomaterial, Schadensbilder und Augenzeugenberichte aus, erklärte Friedrich.

Bei dem Tornado habe es sich um einen sogenannten Kaltluft-Tornado wahrscheinlich ohne Superzelle gehandelt. „Das sind Tornados, die bilden sich in kalter Luft, wie sie gestern über Norddeutschland vorhanden war“, erklärte Friedrich. Ursache seien ausgeprägte Windscherungen - das heißt verschiedene Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen am Boden und in einem Kilometer Höhe. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und dann wie ein Rüssel aussieht.

Mittelschwere Tornados sind in Deutschland vergleichsweise selten

Jährlich würden im Schnitt zwischen 20 bis 60 Tornados in Deutschland nachgewiesen. Es gebe aber eine Dunkelziffer, da ein Teil der Tornados nicht erfasst werde. Mittelschwere Tornados der Stärke F2, wie nun in Großheide festgestellt, seien in Deutschland dagegen vergleichsweise selten, erklärte Friedrich.