Whistleblowerin Chelsea Manning gibt bei Lanz Geheimnisse preis

2010 spielt Chelsea Manning Wikileaks und Julian Assange Militärdokumente zu und kommt dafür mehrere Jahre in Haft. Nun erzählt sie ihre Geschichte.

Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning spricht über die Weitergabe von geheimen Militärinformationen. Gerade ist ihr Buch „README.txt – Meine Geschichte“ erschienen. 
Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning spricht über die Weitergabe von geheimen Militärinformationen. Gerade ist ihr Buch „README.txt – Meine Geschichte“ erschienen. imago/Belga

Im Jahr 2010 hat Chelsea Manning über die Plattform Wikileaks zusammen mit Julian Assange Hunderttausende geheime Militärdokumente über den Irak- und Afghanistankrieg veröffentlicht. In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz verriet sie am Mittwochabend nun Details ihrer ereignisreichen Lebensgeschichte.

Die Geheimdienstanalystin schmuggelte die Informationen auf der Speicherkarte ihrer Digitalkamera – zuvor getarnt als Musik-CDs.  Im gleichen Jahr wurde sie verhaftet und zu 35 Jahren Haft verurteilt, bis sie schließlich 2017 von dem damaligen US-Präsident Barack Obama begnadigt wurde. Assange sitzt weiter ihn Haft. Ihm droht die Auslieferung.

Die IT-Spezialistin Manning trat im Alter von 20 Jahren als Bradley Manning in die amerikanische Armee ein. Während des Irakkrieges ist sie in Bagdad stationiert und hat Zugriff hat auf streng geheimes Material der Streitkräfte. Darunter ist auch ein brisantes Video, welches die Tötung von rund einem Dutzend unbewaffneten Zivilisten durch einen US-Kampfhubschrauber zeigt. 

Manning erklärt Whistleblowing bei Markus Lanz

Das veröffentlichte Video löst eine internationale Debatte um die Kriegsführung der Vereinigten Staaten aus. In der Talkshow beantwortet Manning die Frage, warum sie an die Öffentlichkeit ging und beschreibt ihre Kriegseindrücke. Sie berichtet von „der wahren Natur der Kriegsführung im 21. Jahrhundert“. Diese ist laut ihrer Aussage „ungleich“, „brutal“ und  „nicht präzise“. Zudem erklärt sie im Verlauf der Sendung: „Diese Mentalität war sehr verbreitet bei uns. Diese Vorstellung, dass man so viele abballert wie möglich.“ 

Nach mehreren gescheiterten Versuchen, das Material über die Medien ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, entscheidet sich Manning schließlich für die Enthüllungsplattform Wikileaks. Noch während ihres Einsatzes wird sie festgenommen und unter anderem wegen Geheimnisverrats und unerlaubten Übertragens geheimer Informationen angeklagt. „Ich habe damit gerechnet, dass ich meine Stelle verlieren werde und sich Konsequenzen ergeben werden. [...] Aber ich habe nicht kommen sehen, dass ich in Einzelhaft kommen werde, das ich für sieben Jahre in Haft sein würde.“, erinnert sich Manning. „Da habe ich gedacht, es passiert sowieso nichts. Denn ich hatte mir Sorgen gemacht, dass es sowieso niemanden interessiert.“

US-Soldat Manning beim Verlassen des Gerichtssaals in Fort Meade, Maryland, USA. Der Gefreite Bradley Manning wurde am 21. August 2013 von einem US-Militärrichter zu 35 Jahren Haft verurteilt. Im gleichen Jahr äußerte Manning künftig als Frau zu leben. 
US-Soldat Manning beim Verlassen des Gerichtssaals in Fort Meade, Maryland, USA. Der Gefreite Bradley Manning wurde am 21. August 2013 von einem US-Militärrichter zu 35 Jahren Haft verurteilt. Im gleichen Jahr äußerte Manning künftig als Frau zu leben. dpa/EPA/Jim Lo Scalzo

Neues Buch: Chelsea Manning veröffentlicht Memoiren

Manning hat jüngst unter dem Titel „README.txt – Meine Geschichte“ ihre Memoiren beim Verlag Harper Collins herausgebracht und gibt es jetzt nicht nur ARD-Talkmaster Markus Lanz Interviews.

Der veränderte Zugang zu Informationen im Internet hat nach Ansicht von Manning auch den Krieg verändert. „Ukrainische Soldaten teilen Informationen über Telegram“, sagte sie in einem Gespräch mit Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner am Mittwochabend. Mit Informationen werde heute anders umgegangen als früher: „Mittlerweile ist die Geschwindigkeit wichtiger als die Frage, ob die Information geheim gehalten wurde oder nicht.“

Whistleblowerin Chelsea Manning, ist im Gespräch mit Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit online und Mitglied der Chefredaktion von Die Zeit, über ihr neues Buch „README.txt“. 
Whistleblowerin Chelsea Manning, ist im Gespräch mit Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit online und Mitglied der Chefredaktion von Die Zeit, über ihr neues Buch „README.txt“. dpa/Jonas Walzberg

In diesem „dramatischen informationsreichen Umfeld“ müsse man mit dem Problem umgehen, all die Informationen richtig einzuordnen, zu verifizieren oder falsifizieren. „Man hat als Zivilist an meinem Laptop im Jahr 2022 mehr Zugang zu Informationen aus der Ukraine als ich als Geheimdienstanalystin mit dem gesamten US-Geheimdienstapparat im Rücken im Irak 2010 hatte“, sagte die 34-Jährige (mit dpa).