Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
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GenfDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) dämpft allzu optimistische Hoffnungen auf einen perfekten Corona-Impfstoff. „Im Moment gibt es kein Allheilmittel, und vielleicht wird es nie eines geben“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Er ermahnte die Nationen, Gesundheitsmaßnahmen wie das Tragen von Masken, Abstandsregeln, Händewaschen und Tests rigoros durchzusetzen. „Die Botschaft an Menschen und Regierungen ist klar: ‚Mach alles‘“, sagte Tedros in einer virtuellen Pressekonferenz in Genf. 

Weltweit wird derzeit unter Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus geforscht, dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt. Auch die deutschen Unternehmen Biontech und Curevac sind beteiligt. „Eine Reihe von Impfstoffen befindet sich derzeit in der dritten Phase der klinischen Studien, und wir alle hoffen auf eine Reihe wirksamer Impfstoffe, mit denen Menschen vor Infektionen geschützt werden können“, sagte Tedros. Es könne jedoch sein, „dass wir möglicherweise keinen Impfstoff haben werden, der funktioniert, oder dass der Schutz des Impfstoffs nur einige Monate dauern könnte“, so Tedros. „Aber bis wir die klinischen Studien abgeschlossen haben, werden wir es nicht wissen.“

WHO: Pandemie wird „sicher sehr lange“ andauern

Die WHO hatte bereits am Wochenende erklärt, sie rechne nicht mit einem baldigen Ende der Corona-Krise. Die Pandemie werde „sicher sehr lange“ andauern, teilte das WHO-Notstandskomitee mit.

Laut einer Reuters-Bilanz sind weltweit mehr als 18 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert worden und 688.080 gestorben.

WHO-Notfallchef Mike Ryan sagte, Länder mit hohen Infektionsraten, darunter Brasilien und Indien, müssten sich auf einen langen Kampf gegen das Virus einstellen: „Der Ausweg ist lang und erfordert ein nachhaltiges Engagement.“

Nicht nur Wuhan als erster Verbreitungsort möglich

Bei den Fragen nach Herkunft und erster Verbreitung des Virus sieht die WHO noch erheblichen Aufklärungsbedarf. Es komme in China nicht nur Wuhan als erster Verbreitungsort infrage, sagte Ryan am Montag. „Es gibt Lücken in der epidemiologischen Landschaft.“

Auf der Suche nach dem Ursprung des neuartigen Coronavirus hatte die WHO im Juli ein Expertenteam nach China geschickt. Dieses Vorbereitungsteam habe seine Arbeit nun abgeschlossen und die Grundlage für weitere Untersuchungen gelegt, sagte Tedros. In Kürze würden epidemiologische Studien in Wuhan aufgenommen, um die potenzielle Quelle der ersten Infektionsfälle auszumachen.

Den chinesischen Behörden zufolge ging das Coronavirus von einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Menschen über. Immer wieder wurde aber auch ein Labor in Wuhan mit dem Ausbruch der Pandemie in Verbindung gebracht. Die WHO hatte China seit Anfang Mai gedrängt, ihre Experten ins Land einzuladen, um bei der Erforschung des Ursprungs des Coronavirus mitzuhelfen. (mit AFP und Reuters)