Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, Auffrischimpfungen als Allheilmittel auf dem Weg aus der Corona-Pandemie zu sehen. Sie spricht sich zugleich gegen Booster für die gesunde Bevölkerung aus, weil damit der Impfstoff zur Versorgung der ganzen Welt mit Erst- und Zweitimpfungen noch knapper werde. Statt Gesunde zu boostern, sollten die Länder mehr tun, um Ungeimpfte zu erreichen, im eigenen Land und im Rest der Welt, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf.

Die Frage der Auffrischimpfungen ist demnach direkt mit der Frage einer gerechten Impfstoffverteilung verbunden. Die WHO hat seit Monaten davor gewarnt, dass sich in Ländern, deren Bevölkerungen nicht ausreichend geimpft sind, gefährliche Virus-Varianten entwickeln können.

Tedros: „2022 muss das Jahr sein, in dem wir die Pandemie beenden“

Vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Omikron-Variante forderte Tedros von der Weltgemeinschaft gemeinsame Anstrengungen, um die Corona-Pandemie innerhalb des nächsten Jahres zu stoppen. „2022 muss das Jahr sein, in dem wir die Pandemie beenden“, sagte er.

„Wenn wir nicht versuchen, die Ungeimpften zu impfen, kann es sein, dass wir das gewünschte Ziel nicht erreichen“, so Tedros. Auf den Intensivstationen der Länder, die jetzt umfangreiche Booster-Kampagnen gestartet hätten, lägen überwiegend Ungeimpfte. „Menschen sterben, weil sie nicht geimpft sind, nicht, weil sie nicht geboostert sind“, sagte Tedros.

Während nach den WHO-Zahlen in Deutschland 160 Impfdosen pro 100 Einwohner vergeben worden sind, waren es etwa in Kamerun 3,7, im Tschad 1,7 und in der Demokratischen Republik Kongo 0,29.

Tedros: Besser Veranstaltungen jetzt absagen und später feiern

Angesichts der bevorstehenden Feierlichkeiten zum Jahresende rief Tedros die Menschen auf, sich mithilfe von Impfungen und Kontaktbeschränkungen vor dem Coronavirus zu schützen.

„Wir alle wollen Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Wir alle wollen zur Normalität zurückkehren“, sagte Tedros weiter. „Aber um zur Normalität zurückzukehren, müssen wir uns jetzt schützen.“

Seitdem Omikron im November erstmals in Südafrika gemeldet wurde, ist die Mutante in Dutzenden Ländern nachgewiesen worden. Die Variante hat die Hoffnung zunichtegemacht, dass das Schlimmste der Pandemie überstanden ist.

Angesichts des raschen Anstiegs der Fälle betonte Tedros, sei es besser, Veranstaltungen „jetzt abzusagen und später zu feiern, als jetzt zu feiern und später zu trauern“. Der Pandemie könne nur Einhalt geboten werden, wenn alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt würden – von Impfstoffen über das Tragen von Masken bis hin zu Abstandsregeln.