Johannesburg - Eine überstandene Corona-Infektion schützt nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht vor einer Infektion mit der neuen Omikron-Variante. „Wir denken, dass eine vorherige Infektion nicht gegen Omikron schützt“, sagte die Infektiologin Anne von Gottberg von Südafrikas Nationalem Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des WHO-Regionalbüros Afrika. Alle bestätigten Omikron-Fälle in Deutschland betreffen unterdessen Geimpfte. Bei den Fällen handele es sich um Reiserückkehrer aus Südafrika, schrieb das RKI in seinem Wochenbericht von Donnerstagabend. Südafrika hatte Mitte vergangener Woche über die Variante informiert.

Die Frage, ob eine vorherige Infektion gegen Omikron schützt oder nicht, werde weiter erforscht, sagte die Wissenschaftlerin. Erste Beobachtungen sprächen dafür, dass schon einmal Infizierte durch Omikron erneut an Covid-19 erkranken könnten. Dann fielen die Symptome aber offenbar oft weniger schwer aus. Die vorhandenen Corona-Impfstoffe dürften laut von Gottberg ebenfalls gegen schwere Erkrankungen schützen.

Die Variante war vor einer Woche erstmals in Südafrika nachgewiesen worden. Sie weist im Vergleich zum bisher gängigen Coronavirus 32 Mutationen auf.

Omikron bereits in 20 Ländern nachgewiesen, auch Fälle in Berlin

Mittlerweile wurde die Omikron-Variante nach WHO-Angaben bereits in mehr als 20 Ländern nachgewiesen, darunter Deutschland. In Berlin wurde am Donnerstag ein Fall bestätigt, es gibt weitere Verdachtsfälle. Am Donnerstag meldete Indien die ersten zwei Omikron-Fälle. Im südlichen Bundesstaat Karnataka seien zwei Männer im Alter von 66 und 46 Jahren positiv auf die Corona-Variante getestet worden, teilte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums mit. Nun würden auch all ihre Kontakte ersten und zweiten Grades getestet.

Das Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten der Afrikanischen Union (Africa CDC) warnte vor Panik wegen der neuen Omikron-Variante. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte Africa-CDC-Chef John Nkengasong bei einer Pressekonferenz. „Wir stehen nicht ohne Schutz da.“

Zwar sei auch die AU beunruhigt, sie glaube aber „nicht, dass die Lage nicht beherrscht werden kann“. Seine Behörde bereite sich schon „seit langem“ auf das Auftreten einer neuen Corona-Variante vor, hob Nkengasong hervor.

Die Impfquote in Afrika ist allerdings sehr niedrig, nur sieben Prozent der 1,2 Milliarden Einwohner sind vollständig gegen Corona geimpft. Dies ist insbesondere auf die unzureichende Versorgung des Kontinents mit Impfstoffen sowie auf eine vielerorts ausgeprägte Impfskepsis zurückzuführen.