London/GenfDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einem Bericht zufolge vom Einsatz des lange als vielversprechend geltenden Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Erkrankungen abgeraten. 

Nach eingehender Prüfung sei ein Expertengremium zu dem Schluss gekommen, dass das Mittel „keinen bedeutenden Einfluss auf die Sterblichkeit oder andere wichtige Wirkungen auf Patienten hat, wie den Bedarf künstlicher Beatmung oder die Zeit bis zu einer Besserung“, schrieb die Fachzeitschrift British Medical Journal. Es sei zudem noch nicht ausgeschlossen, dass das Medikament auch Schaden anrichten könnte. Hinzu kämen seine hohen Kosten.

Laut Medienberichten soll das Medikament in Deutschland in ganz spezifischen Fällen trotz der kritischen WHO-Studie weiterhin eingesetzt werden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte demnach mit, dass man eine Neubewertung auf EU-Ebene abwarten wolle. 

Remdesivir war vom US-Pharmakonzern Gilead ursprünglich zur Bekämpfung des Ebola-Virus entwickelt worden. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie galt es als Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19. Es erhielt im Juli als erstes Mittel überhaupt in Europa eine Zulassung unter Auflagen zur spezifischen Behandlung von bestimmten Patienten. Zuletzt hatten Tests aber nahegelegt, dass der Nutzen des Präparats bestenfalls gering ist. Die Erkenntnisse ergaben sich aus einer von der WHO koordinierten Studie mit Tausenden Patienten in fast 500 Kliniken in mehr als 30 Ländern.