Berlin - Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen – sogar im eigenen Garten. Und so haben sich Frauen viele Jahrtausende lang bei Beschwerden während der Menstruation, bei Schwangerschaft und in den Wechseljahren daran bedient. Die Heilpraktikerin und Buchautorin Helga Ell-Beiser erklärt, wie Heilpflanzen Frauen auch heute noch helfen können.

Warum werden bestimmte Heilpflanzen vor allem von Frauen genutzt?

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur im Körperbau und in den Geschlechtsmerkmalen, sondern auch in der Ausprägung von Krankheiten und Symptomen. Sie reagieren anders auf Heilmittel als Männer. Die Gender-Medizin geht auf diese individuellen Unterschiede und Bedürfnisse ein – und da gibt es noch einiges zu forschen.

Inwiefern waren Heilkräuter schon immer Frauensache?

Heilkräuter – und im Übrigen auch die Heilkunde – sind tatsächlich schon seit Tausenden von Jahren mit Frauen verbunden. Schon seit der Altsteinzeit, als die Männer zum Jagen ausgingen und die Frauen pflanzliche Nahrungsmittel sammelten. Dabei haben die Frauen auch die medizinische Wirkung von Pflanzen entdeckt und sich hauptsächlich um die Kranken gekümmert. Diese Tradition hat sich in der Naturheilkunde größtenteils bis heute fortgesetzt.

Was ist ein klassisches Heilkraut für Frauen?

Frauenmantel darf in keinem Frauenleben fehlen. Dass das zusammenpasst, zeigt schon der Name. Er gehört einfach immer dazu – vom jungen Mädchen bis spät in die Wechseljahre. Er ist die Basispflanze für Frauentees, denn er findet bei vielerlei Problemen Anwendung: bei Akne und Menstruationsbeschwerden, bei Schwangerschaft und Geburt sowie Beschwerden in den Wechseljahren.

Welche Heilpflanzen lassen sich im Garten und auf dem Balkon kultivieren?

Im Garten wachsen unter anderem die mediterranen Kräuter, die wir wegen ihrer ätherischen Öle schätzen. Lavendel wirkt beruhigend, Thymian antibakteriell. Rosmarin hilft bei niedrigem Blutdruck, der oft bei jungen Frauen auftritt. Salbei lindert Hitzewallungen, wenn Sie ihn als kalten Tee trinken. Der Hopfen hat sich bei Schlafstörungen bewährt. Außerdem hilft er bei Verdauungsproblemen. Und die Echte Kamille ist ein Allroundtalent und gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen: Sie hat eine krampflösende Wirkung, hilft somit bei Bauchschmerzen und Menstruationsbeschwerden.

Auch auf dem Balkon können wir alle Pflanzen kultivieren, die mit unserem Klima zurechtkommen. Heilpflanzen, die viel Wurzelmasse ausbilden wie zum Beispiel die Engelwurz, benötigen entsprechend große Pflanzkübel.

Welche Frauenheilkräuter wachsen in der freien Natur?

Viele Frauenkräuter wachsen wild, zum Beispiel Beifuß, Gänsefingerkraut, Hirtentäschel und Brennnessel. Sie sind meist als Unkraut verschrien, haben aber eine enorme Heilwirkung.

Gänsefingerkraut hilft bei krampfartigen Menstruationsschmerzen und Hirtentäschel bei starken Menstruationsblutungen. Die Brennnessel ist ein wichtiger Eisenlieferant. Als Wildgemüse oder als Smoothie hilft sie bei Anämie. Auch Johanniskraut, Rotklee und Schafgarbe finden Sie in der freien Natur.

Worauf muss ich beim Sammeln von Wildkräutern achten?

Sammeln Sie an möglichst unberührten Standorten, also nicht unmittelbar an Hundespazierstrecken und auf Wiesen, auf denen Gülle ausgebracht wurde. Naturschutzgebiete sind jedoch Tabu.

Jede Pflanze hat ihren optimalen Erntezeitpunkt. So hat beispielsweise die Melisse vor der Blüte die meisten Wirkstoffe, während die Pfefferminze bei Blühbeginn die beste Qualität an ätherischem Öl liefert.

Ernten Sie nicht nach Regen, denn nur bei schönem Wetter brummt die Photosynthese und die Pflanze bildet sehr viel Wirkstoffe aus. Ideal ist ein trockener, später Vormittag, dann ist es noch nicht allzu heiß. Denn zu viel Hitze lässt die ätherischen Öle aus den Pflanzenzellen verdunsten.

Pflanzenwurzeln werden meist im Herbst geerntet. Allein bei Löwenzahn und Wegwarte gräbt man die Wurzeln im Frühjahr aus, weil sie dann mehr Bitterstoffe enthalten.

Wie werden die Kräuter geerntet?

Ell-Beiser: Schön ist es, die Blätter von Hand zu pflücken. Sie können sie aber auch mit einer Schere schneiden. Wichtig: die Blätter nicht quetschen oder drücken, sonst kommt es eventuell zu Enzymreaktionen und somit zu Verlusten von Wirkstoffen. Und stopfen Sie die Kräuter nicht in eine Plastiktüte, sondern transportieren Sie sie in einem Sammelkörbchen, damit sie atmen können.

Wie macht man Heilkräuter haltbar?

Ell-Beiser: Nach dem Sammeln werden die Kräuter schonend getrocknet, an einem warmen Platz im Schatten oder in entsprechenden Trockengeräten. Danach werden sie luftdicht verschlossen aufbewahrt, am besten in dunkeln Gläsern: Durch Lichteinwirkung können Wirkstoffe abgebaut werden. Und stellen Sie die Gläser kühl und trocken, nicht in den Wasserdampf über den Herd.